Tag 1
Es ist 8 Uhr morgens und wir sind geschlaucht. Die Zugfahrt war ok, aber mein Rücken schmerzt. Sabines Fieber ist so gut wie weg, Momos Temperatur hat sich auch normalisiert. An der Union Station sind wir ein Taxi gehüpft. Eigentlich sollte ich vorne sitzen, aber im Kofferraum war kein Platz mehr für den dritten Koffer. Also hat der Koffer den Platz bekommen und wir quetschen uns zu viert hinten rein.
– Hey Ellenbogen aus meinem Gesicht!
– Ja wie soll ich das anders machen?! Siehst ja dass der Nuni im Weg ist!
– AU! Mama! Du zerquetscht meine Hand!
– Ja was soll ich jetzt?! Kann mir endlich wer helfen?
– Wer sitzt auf meinem Gurt? Ich komm da nicht ran! Popsch in die Höh!
– Wrrrrrgh der Gurt würgt mich!
– Aaaaaargh!!
– Ruhe jetzt und lachts fürs Foto!

Wir fahren so halbwegs entspannt zum Hotel Hampton Inn, im Viertel „River North“, das soll ja eine geniale Ecke von Chicago sein (ohne Kinder zumindest).
Ah, schon da. Raus da aus der Karre. Hopp! Unter Stöhnen und Ächzen schälen wir uns aus der Karosse. Brrr, da ists kalt, schnell rein ins Hotel!
Unser Zimmer sollte erst ab 16 Uhr bezugsfertig sein. Für 25$ extra dürfen wir aber jetzt schon rein. Abzocke! Aber wir sind fertig und wollen nur ins Zimmer. 11. Stock, Zimmer 1101 ganz am Ende des Korridors. Der Teppichboden am Gang ist extra weich und die drei Koffer sind unmöglich darüber zu schieben. Es ist ein brutales Hinterhergezerre inklusive Gefluche und mancher Tritte gegen die störrischen Gepäckstücke.
Zimmer offen…herrlich. Küche ist da (ohne Besteck, Geschirr oder Töpfe), Badezimmer, Bett Nummer eins und Bett Nummer zwei…Bett Nummer zwei? Wo ist Bett Nummer zwei? Bitte nicht die Couch, bitte nicht die Couch, bitte nicht die Couch………es ist die Couch.
Mist, wieder so eine miese Folterbank wie in Washington. Na was solls. Besser als am Boden schlafen. Wir wollen uns mal duschen und umziehen. Wo ist denn jetzt was? In welchem Koffer sind die Unterhosen? Ah, in dem da sind welche…*schnüff*…ok, nein das sind die Gebrauchten. Pfui. Wo sind die Frischen? Irgendwo. Also alle Koffer auf und alles ausleeren.
Momo freut sich, dass er endlich Platz zum Spielen hat. Er nimmt seinen Rucksack und verstreut alle Autos, Straßenschilder, Bücher und Zettel im Raum.
Kaum eine Stunde da und schon sieht es aus als wäre eine Bombe eingeschlagen.
Wir brauchen ein paar Stunden um uns einzurichten, zu duschen und anzuziehen. Gegen 16.00 Uhr schaffen wir es raus. Wir wollen Abendessen gehen und Sabine sucht sechs Lokale in der Gegend raus die gut sein sollen. Es ist noch Thanksgiving. Alles hat geschlossen. Ja gibts denn sowas? Alles zu?



Wir finden durch Zufall ein Gebäude, das einen großen Frosch an der Fassade hat. „Rainforest Café“.

Sieht lustig aus, da gehen wir rein. Na wusch. Drinnen alles Dschungel, Wasserfall, Robotertiere, die sich alle 20 Minuten bei einem „Gewitter“ aufregen und bewegen. Die Elefanten tröten und wackeln mit den Ohren, die Gorillas trommeln sich auf die Brust…und dann ists wieder still und man isst weiter.



Das Essen war gut, Nuni beschäftigt durch die vielen „Tiere“. Wir sind zufrieden und gehen in einem Seven Eleven Shop noch Wasser kaufen. Das Leitungswasser ist hier nämlich wieder so gechlort, das wollen wir nicht trinken oder Nuni ins Milchflascherl geben.
Wir sind fertig für heute. In die Hapfn und schnell einschlafen.
Tag 2 (Black Friday)
Aaaah. Guten Morgen. Die Nacht war ok. Sabine meint, dass die Couch gar nicht mal so ungemütlich ist. Das ist immerhin erfreulich. Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass unser Hotel direkt neben einer Feuerwache und einer Ambulance Station liegt und alle 20 Minuten eine Sirene heulend an unserem Fenster vorbei gezogen ist. Großstadt halt.

Lasst uns frühstücken gehen. Hier ist Breakfast included, also runter in den zweiten Stock und HOLY MOLY ist da viel los!! Alle Sitzplätze sind besetzt, man kann kaum gehen. Eine nette Angestellte macht extra für uns einen neuen Raum auf. Sehr fein, da haben wir Platz. Wir kämpfen uns zum Buffet. Da ist so ziemlich alles grauslich. Sogar die gekochten Eier schmecken komisch. Für diesen (und auch alle kommenden Buffetbesuche hier) einigen wir uns auf getoastete Sesam-Bagel mit Philadelphia Frischkäse. Was anderes kommt hier eher nicht in Frage.
Egal, rauf, umziehen und heute wollen wir in den Zoo. Gestern künstliche Tiere, heute die Echten. Die gefallen Nuni sicher. Wir hüpfen in den Bus und fahren zum Lincoln Park Zoo. Der Eintritt ist gratis. Wir gehen als erstes zu den Affen, die Nuni so gefallen haben und, wie sollte es anders sein, schläft er ein paar Schritte vor dem Affenhaus ein.




Momo interessiert sich wenig für die Tiere und spielt lieber auf dem Baumstumpf, der bei den Schimpansen aufgebaut ist. Die Gorillas sitzen auf engem Raum herum und sehen gelangweilt und traurig aus. Vielleicht bilden wir uns das nur ein aber es bricht uns das Herz diese Wesen so eingesperrt zu sehen. Wir gehen weiter, kaum draußen wacht Nuni auf. Hm. Na jetzt drehen wir nicht um. Kommen wir halt nachher nochmal her.



Wir gehen eine Runde durch den Zoo, sehen uns Schlangen und andere Reptilien an, Seelöwen und finden einen kleinen Indoor Spielplatz. Da toben die Kinder ein wenig, dann gehen wir mit einem munteren Nuni nochmal zu den Affen. Die gefallen ihm gut, mehr jedoch gefällt ihm der Baumstumpf. Momo und er klettern herum. Na Hauptsache sie haben Spaß.






Apropos Spaß, da soll es einen tollen Spielplatz geben unten beim Millennium Park. Da wollen wir hin. Also wieder in den Bus und die Michigan Avenue runter. Diese Straße wird auch „Magnificent Mile“ genannt, hier gibt es ein exklusives Geschäft neben dem anderen. Und es ist CRAZY, so viele Leute unterwegs. Es ist Black Friday, da gibt es überall Rabatte und Sonderangebote. Ganz Chicago ist auf der Straße so kommt es uns vor.

Beim Millennium Park steigen wir aus, sehen uns den Chicago Christmas Tree an, höchst unspektakulär. Nebenan ist das Cloud Gate, eine spiegelnde, bohnenförmige Skulptur in der sich Menschen und Hochhäuser spiegeln. Gefällt uns schon besser. Der Willis Tower (ehem. Sears Tower) zeigt sich schüchtern zwischen den anderen Wolkenkratzern. Perfekt, haben wir den auch gesehen! War ja immerhin lange das höchste Gebäude der Welt.




Der Spielplatz ist ein paar Meter weiter. Da gehts rund. Viele Menschen, viele Kinder. Sabine bleibt mit Nuni im Kleinkinderbereich und ich zische mit Momo Türme hoch, Abhänge runter, über Brücken und künstliche Boote.



Wir haben Spaß und toben bis es uns zu kalt wird und die Sonne beginnt unter zu gehen. Am Weg zu den Öffis verliert Nuni immer wieder seinen linken Schuh. Drei mal läuft uns wer nach „Hey! You lost a shoe!!“ Sehr freundlich und glücklicherweise ist es ihnen aufgefallen! Sonst wären wir bis San Francisco schuhlos (nach San Francisco wird es warm – Hawaii, Australien,…).
Wir fahren mit der ikonischen „Chicago Elevated“ Hochbahn zu uns nach Hause. Unsere Kleidung ist schmutzig und nass vom Spielplatz. Wir werfen sie mit unseren schmutzigen Sachen aus dem Koffer auf einen Haufen und merken: Wir haben nichts Sauberes mehr anzuziehen.


Wir rufen sechs Putzereien in der Gegend an ob sie offen haben. Nix. Alles wegen Thanksgiving geschlossen. Nagut, ich nehme die Herausforderung an und schmeiße alles in die Badewanne. Wasser und Seife rein und schön waschen. Ich stampfe durch die Kleidungsstücke wie ein alter Grieche bei der Weinproduktion.

Das dauert mit waschen, spülen, auswringen sicher über eineinhalb Stunden. Die feuchte Wäsche wird in der ganzen Wohnung verteilt. Das gibt sicher ein angenehmes Raumklima beim Schlafen. Da ist die Luft nicht so trocken von der Klimaanlage.


Es reicht für heute. Ab ins Bett. Wir können nicht mehr.
Tag 3
Aaaah diese Zimmernachbarn. Party People. Um Mitternacht sind sie laut, gehen von einer Wohnung zur anderen, lassen die Türen immer wieder lautstark zuknallen. Urgh…Sabine weckt mich auf und schickt mich rüber. Kaum bin ich angezogen haben sie die Wohnung verlassen und sind mit dem Lift runtergefahren. Na super. Also wieder ausgezogen und ins Bett gelegt. Immerhin ist es jetzt leise.
In der Früh wollen wir zum Frühstücksbuffet. Ja aber ohne was anzuziehen geht das nicht. Ist die Wäsche schon trocken? Natürlich nicht. Wäre auch zu schön gewesen. Ich nehme den Fön aus der Schublade und beginne Jeans, Socken, Leiberl und Unterhosen zu trocknen. Das dauert. Aber irgendwann hat dann auch jeder eine halbwegs trockene Garnitur.

Frühstück war wieder grauslich.

Wir sind heute zach und wollen noch nicht raus. Nuni wird gegen 11 Uhr müde, wir gammeln also noch herum bis er seinen Mittagsschlaf gemacht hat.


Wir wollen heute wieder was für die Kinder machen und gehen am frühen Nachmittag in das Peggy Notebaert Nature Museum. Da gibts Wasserspiele, Schmetterlinge und andere tolle Sachen zu entdecken.

Nuni liebt die Schmetterlinge, er jagt sie durch den ganzen Raum, Momo fürchtet sich eher vor ihnen und kauert sich in der Ecke zusammen. Wir sind ein paar Stunden hier, fast alleine. Kaum wer da. Das ist angenehm nach den hektischen letzten Tagen.








Um 17.00 Uhr müssen wir wieder raus, denn das Museum schließt. Draußen schüttet es. Na Gott sei Dank haben wir keinen Schirm dabei. Schnell zur Bushaltestelle!


Welche ist es? Die da? Keine Ahnung! Nuni hat wieder seinen Schuh verloren!! Mist! Da! Unser Bus kommt! Nein…falscher Bus. DAHINTER! Jetzt kommt er!! Haben wir noch genug Dollar auf der Metro Karte drauf? Scheiße, wir sind total nass. Na jetzt sind wir ja im Bus.


Bald daheim, wärmen wir uns in der Badewanne auf und gehen bald schlafen. Die Stunde Zeitverschiebung zu Washington meldet sich heute.

Tag 4
Letzter voller Tag in Chicago! Heute steht, nach einem grauslichen Frühstück im 2. Stock nur eines an: das Chicago Kids Museum. Ein riesen Museum nur für Kinder. Wow da gibts was zu erleben und zu entdecken!!



Wir bauen Gerüste, graben Dinosaurier aus, stauen Wasser auf, klettern, spielen Bus, hämmern Kunstwerke zusammen, spielen Bowling und und und. In Summe blieben wir sechs ganze Stunden hier. Eine Ewigkeit, die aber schnell verfliegt.
Danach sind wir hungrig. Chicago ist kulinarisch über die Grenzen hinaus bekannt für seine Deep Dish Pizza. Die essen wir beim zur Nummer 1 gewählten Lokal der ganzen Stadt: Giordano’s. Die Pizza ist fast schon eine Art Quiche. Hoher Rand aus Mürbteig, und Sauce hineingeleert, dass man sie eigentlich rauslöffeln müsste. Käse drauf der kilometerlange Fäden zieht. Wir essen jeder ein Stück und befinden: Nein, das ist erstens keine Pizza und zweitens schmeckt sie penetrant nach getrocknetem Basilikum. Taugt uns nicht so. Wir lassen die Hälfte über und nehmen sie, um keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen, in einem DoggyBag mit.



Mit dieser Pizza im Schlepptau fahren wir durch die ganze Stadt. Warum? Wir wollen zum Holiday Bus! Ein Bus der in der Weihnachtszeit auf täglich anderen Routen durch Chicago fährt. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen.
Haben wir noch genug Geld auf der Prepaid Metro Karte? Im ersten Bus kommen wir alle an Bord, sehen aber, dass nach dieser Fahrt alle auf 0 sind. Wir müssen nur einmal umsteigen zur Blue Line (Ubahn) und dort können wir die Karten wieder aufladen. Kein Problem also. Theoretisch. Wir fahren eine Station zu weit. Es ist bereits dunkel draußen. Eine Station zurück gehen? Im Nieselregen? Nein nein nein. Aber was dann? Haben wir genug Bargeld? Man kann ja auch in Bar zahlen. Ansich hab ich genug, aber man kriegt kein Wechselgeld retour, und mein kleinster Schein ist 20 Dollar wert. Kacke.
Der nächste Bus in die andere Richtung kommt in wenigen Minuten. Der nächste danach in 35 Minuten :-O Wir riskieren es: Ich laufe mit Momo in das nächste Restaurant und lasse dort meinen 20er wechseln. Das dauert…das DAUERT! Was braucht der so lange?? Endlich, danke fürs wechseln und tschüss!
Sabine wachelt bereits auf der anderen Straßenseite mit den Armen und schreit „DER BUS KOOOOMMT!“. Momo und ich hauen uns über die Straße und sind genau rechtzeitig da! Keuchend gehen wir an Bord. Schwein gehabt!
Wir fahren die Station retour.


Rein in die Blue Line und ausgestiegen wenige Stationen vor dem Flughafen O’Hare in der Station Jefferson Park aus. Dort warten wir eine halbe Stunde in der Kälte, immer noch die komische Giordano’s Deep Dish Pizza im Sackerl in der Hand. Und dann rollt er heran…Ein geschmückter Bus mit Rentier Geweih und leuchtender Nase!


An Bord begrüßen uns als Elfen kostümierte Angestellte und drücken uns Zuckerstangen in die Hand, während Weihnachtslieder aus den Lautsprechern trällern. Momo ist hin und weg. Sabine grinst auch von einem Ohr zum anderen. Nuni weiß nicht wie er sich fühlen soll. Alles ist etwas laut und Lichter blinken. Am Ende des Busses sitzt Santa Claus!!! Wir machen Fotos und fahren die ganze Strecke mit dem Bus bis zur Endstation.




Nuni ist sichtlich überreizt und wir sind alle, obwohl es uns super gefallen hat, recht froh wieder auszusteigen. Mit der Red Line fahren wir heim und holen uns abschließend noch frisches Wasser von unserem Seven Eleven an der Ecke.
Dort stehen Typen vor der Tür und betteln uns an sie bräuchten Geld weil sie so hungrig sind. Wir geben ihnen statt Geld die Giordano’s Pizza. Er sagt wenig beeindruckt: „Oh…..Thanks.“, stellt sie irgendwo hin zur Seite und redet die nächsten Kunden an die aus dem Haus kommen. „Hey do you have any change? I am hungry.“
Na egal. Wir hätten sie eh nicht mehr gegessen.
Momo und Nuni sind von dem hektischen Museum und dem verrückten Holiday Bus komplett überdreht und müssen schnell ins Bett. Heute wird nicht mehr gepackt, das machen wir einfach morgen.
Tag 5
Hello, hello, hello! Um es nicht unerwähnt zu lassen: das Frühstück war grauslich.
Wir packen, in ähnlicher Manier wie in Washington die Koffer. Alles voll stopfen. Diesmal wiege ich aber vor dem endgültigen Verschließen die Koffer ab. Alles passt, alle drei unter 20kg. So solls sein.
Um 12.00 Uhr, genau richtig zum auschecken sind wir fertig und fahren mit dem Taxi zur Union Station. Wir fordern aber gleich einen großen Wagen an damit wir diesmal nicht so gequetscht sitzen müssen.



Klappt heute gut! An der Station wissen wir auch, dass wir mit Schlafkabinen VIP Access haben und gehen, nachdem wir die Koffer aufgegeben haben, direkt zur VIP Lounge. Dort gibts Snacks und TV für die Kleinen. Ist recht gemütlich und es dauert auch nicht lange bis wir vor allen „normalen“ Passagieren an Bord dürfen.

Wieder ein riesiger Superliner. Wir haben heute zwei Einzelkabinen statt einer großen. Momo und ich sind ein einer und Nuni und Sabine. Wenig ist los, da heute Montag ist. Der Thanksgiving-Retour-Reiseverkehr war gestern. Heute müssen alle wieder arbeiten.

Wir richten uns ein, Zug fährt ab! Tschüss Chicago!
Ab nach Glenwood Springs, Colorado!!!
Ab in die Berge!!!
Ab in den Schnee!!!