G’Day! Welcome to Australia, mate!

Wir sind noch am Flughafen Auckland in Neuseeland. Den Kindern ist fad und sie laufen bereits direkt hinter der Sicherheitskontrolle wild herum. Stört hier aber erstaunlicherweise keinen.

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Wildes Toben direkt hinter dem Security Check
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Nuni und Momo klettern und kriechen herum

Die Zeit vergeht entsprechend schnell und wir wandern zu unserem Gate. Da sind massig Menschen. Kein Platz für nix. Ich gehe also, wie ich das immer mache wenn so viel los ist, zur Dame am Schalter und frage sie ob wir mit Kindern etwas früher an Bord dürfen. Wegen Spezialgurt fürs Baby anbringen und so. Jaja, das dauert, man muss den Gurt ja über den ganzen Sitz heben, festziehen, Tisch hoch, Tisch runter….Das geht ja klarerweise nicht wenn wir gleichzeitig mit allen anderen einsteigen wollen. Also dürfen früher rein? Biiiiitte.
JA? Danke! Sehr lieb von Ihnen!

Ungewöhnlicherweise lässt sie und nicht MIT sondern sogar noch VOR der BusinessClass und allen anderen an Bord. Das hatten wir noch nie. Ganzes Flugzeug für uns allein.

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Die 777 von Air New Zealand bringt uns nach Perth
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Alleine gehen wir die Rampe zum Flugzeug
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Keiner da.

Ist aber ganz angenehm, da haben wir wirklich Zeit und Platz alles anzubringen. Der achtstündige Flug verläuft erfreulicherweise unspektakulär, Nuni pritschelt im Waschbecken des geräumigen Familienklos und läuft am Gang auf und ab. Momo spielt durchgehend Spiele am In-Flight Entertainment System. Er tippt dabei teilweise so heftig gegen den Bildschirm, dass es den Kopf des Vordermanns durchschüttelt. Der schaut nur böse leicht zur Seite, dreht sich aber nicht um und sagt nix.

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Nuni schläft zwischendurch immer wieder ein wenig.
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Nach 7,5 Stunden Flug sind wir da!

Wir landen zwar munter aber doch erschöpft in Perth und werden im Ankunftsbereich von 100 Schildern darauf hingewiesen, dass das Fotografieren oder Handy benutzen unter Strafe steht und erst im öffentlichen Bereich wieder erlaubt ist. Schade, war nämlich ganz hübsch dieser Flughafen.

Draußen im Freien ist es Mittagszeit. Zeitunterschied zu Neuseeland: 5 Stunden. Wir rufen uns einen Uber und müssen draußen mit überdrehten Kindern den Abholort finden. Das Wetter ist heiß, aber Sabine ist hitziger. Geschlaucht vom Flug, kraftlos vom Kind in den Armen, überfordert vom anderen Kind in den Ohren und genervt vom planlosen Ehemann steigt die Angriffslust. In der Hitze wandern wir an der Straße entlang und suchen den Drop-Off Bereich T2 bei den International Departures. Sollte ja nicht so schwer zu finden sein. Eigentlich. Mein Blick ist auf das Handy Display gerichtet. Bloß nicht zu Sabine umdrehen, sonst bemerkt sie an meinem Gesichtsausdruck, dass ich keine Ahnung habe wo wir sind. Ich stehe unter Druck diesen Uber-Typen zu finden um nicht am Fleck von Sabine erschlagen zu werden.

Da sehe ich sein Auto auf der Straße und fange ihn ab. HAAALLO! Hier her!! Ich mache dabei einen großen Ausfallschritt auf die Straße und blockiere ihm den Weg. Er ist auch sichtlich not amused, dass er so plötzlich an den Rand fahren muss. Mir egal, Hauptsache der Familie gehts gut. Wir sitzen schnell im klimatisierten Auto, die Koffer sind hinten verstaut, durchatmen. Sabine fühlt sich gleich besser. Der Fahrer ist nett und kommt aus der Türkei. Wollte eigentlich nach Neuseeland, dort ist das Leben aber zu teuer. Darum ist er nach Perth gekommen. Warum Perth? Er hat keine Ahnung mehr. Der Zufall hat Regie geführt.

Die Fahrt vom Flughafen nach „Freo“, wie die der lebhafte Hafenort Fremantle liebevoll genannt wird, ist flott absolviert. Wir sind in unserem Hotel! Feini, feini sieht das aus. sehr nett. Das „Esplanade Hotel“ liegt direkt im Touristenviertel an der Strandpromenade (engl.: esplanade) gegenüber eines großen Parks. Schön! Drinnen müssen wir noch auf das Zimmer warten, kriegen dafür aber Getränke bereitgestellt. Mittagessen bestellen wir uns dazu, alle sind satt und happy.

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Unser Esplanade Hotel Fremantle. Außen traditionell…
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…innen nicht mehr ganz so traditionell.

Excuse me? Your rooms are ready! Ja fein, ab zu unserem Zimmer. Das liegt da hinten. Einfach den Gang entlang. Kein Problem, finden wir. Los Kinder, wir gehen!

Und gehen. Und gehen. Und gehen. Wir gehen gefühlt einen halben Tag den mindestens 10km langen Gang entlang. Ja bist du Moped, wie groß ist dieses Hotel bitte???
Am weichen Teppichboden bleiben die Rollen der schweren Koffer immer wieder hängen. Mit einem genervten Kick gegen den störrischen Koffer setze ich ihn wieder in Bewegung. Dazu kräftig fluchen und schimpfen, dann geht das alles schön von der Hand.

So. Zimmer. Machts auf da. Haaallo, Momo, Mama kommts endlich her und machts die Tür auf! Ihr habts die Zimmerkarten! Die Taschen sind schwer könnts ihr bitte weiter tun? NEHMTS DOCH DIE BE***** KARTE UND ÖFFNETS ENDLICH DIE TÜR!!!! Aso ich hab die Karte, tschuldigung. Da bitte. Danke.

Man merkt der Teppich und die Wanderung haben mich einige Nerven gekostet.

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Der Gang nimmt kein Ende

Das Zimmer im Erdgeschoß ist fein, klein (Hotelzimmer halt), mit Blick in den Innenhof samt Pool. Wir verschieben sofort die Betten um eine sichere Schlafumgebung für die Kinder zu gestalten. Ausruhen ist angesagt. Danach gehen wir raus zum Spielplatz, lassen die Kinder toben und geben uns ein mäßig schmackhaftes Abendessen in der „Little Creatures Brewing Company“. Der Tag war aufregend, ab ins Bett.

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Die Betten haben wir zusammengeschoben, so ist es für Nuni sicher(er).
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Der Spielplatz auf der Esplanade ist super. Viel Platz und die Kinder können laut toben.

Am nächsten Tag wachen wir sehr früh auf. Die 5 Stunden Zeitverschiebung gehen nicht unbemerkt an uns vorbei. Wir packen uns zusammen und erkunden Fremantle im Morgengrauen. Gefällt uns gut! Um 7.00 machen die ersten Frühstückslokale auf. Bei Chalky’s schlagen wir zu. Avocadotoast, Egg Benedict, Schinken-Ei Toastie, frische Säfte und Kaffee. Uns geht’s richtig gut. Bis Nuni mit viel Elan nach dem großen Häferl Flat White Vanilla Coffee greift und ihn über den ganzen Tisch und noch etwas mehr über Sabines Toast kippt. Der saugt sich an wie ein Schwamm und ändert seine Konsistenz schnell von kross zu gatschig. Nuni ist nass und pickt, Momo rennt überdreht draußen am Parkplatz herum anstatt zu essen. Ich hole zwei mal einen riesigen Packen Servietten um den Kaffee-See aufzutunken. Reicht aber nicht. Die Kellnerin gibt mit ein Wettex und verdreht die Augen. Kommt, lasst uns gehen. Schauen wir zum Strand.

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Mmmmh. Sehr leckeres Essen bei Chalky’s. Sofern der Kaffee im Häferl bleibt.

Über den Hügel am Roundhouse, einem ehemaligen Gefängnis, vorbei runter zu Bather’s Beach. Das ist nett, die Sonne wird aber stärker, genau wie der Wind. Nuni muss umgezogen werden, und ohne Sonnencreme sollten wir nicht draußen sein. Also zurück ins Hotel.

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Roundhouse. Mit Ecken.
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Bather’s Beach von oben
Bathers Beach
Bather’s Beach von unten

10km Gang nach hinten, Türe auf: AMEISEN!!! Überall am Bett sind AMEISEN!! AAAAAAH!!! Ich wollte eigentlich ein Foto machen, aber die Ameisen haben mit das Handy aus der Hand genommen und fortgetragen. Das ganze Doppelbett war übersäht mit kleinen Ameisen. Eine Ameisenstraße endet in der Wand und geht draußen im Freien weiter. Wieso sind die da?? Lebensmittel waren doch keine im Zimmer. Es können nur ein paar Brösel Milchpulver von Nunis Flascherl gewesen sein.

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Wir verfolgen die Ameisenstraße von unserem Zimmer nach draußen.

Ich lauf zur Rezeption und bitte um Hilfe. Eine Putzfrau kommt mit Insektenspray, erkennt aber schnell, dass das hier nicht reichen wird. Wir bekommen ein neues Zimmer. Diesmal ganz am Ende des Ganges, locker 25km von der Lobby entfernt. Ich überlege uns ein Taxi zu rufen um dort hin zu kommen. Argh. Ok, also wieder den ewigen Gang entlang hatschen.

Neues Zimmer, alles stressig übersiedeln und herrichten für Nunis Mittagsschlaferl. Nuni benimmt sich komisch, will nichts trinken. Schläft aber bald ein. Und nach einer halben Stunde wissen wir was los war: er beginnt zu erbrechen. Immer wieder. Allerdings in immer größer werdenden Intervallen. So ein armer Spatz. Wir überlegen was es sein könnte. Waren es diese Ameisen? Wahrscheinlich nicht. War es irgendein Dreck von der Straße? Eher auch nicht. Ziemlich sicher hat er im Flugzeug was aufgeschnappt. Sabine und ich hauen uns sicherheitshalber ausgiebig Jägermeister rein.

Bis zum kommenden Morgen hat sich Nuni wieder halbwegs erholt und verlangt vehement Äpfel. Ob das so gut ist? Hat doch erst gestern erbrochen. Er lässt aber nicht locker und mampft sie dann glücklich. Es bleibt dann auch alles drin und er wirkt munter. Na hoffentlich bleibt’s so.

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Armer Nuni. Gott sei Dank geht es ihm heute schon besser.

Wir sehen uns weiter Fremantle an, gehen Brunchen im Moore&Moore Café (sehr zu empfehlen, auch mit kleinen Kindern) und früh Abendessen bei Cicerello’s, dem besten Fish’n’Chips Laden von ganz South Australia. Behaupten sie zumindest. Uns hat‘s nicht überzeugt. Auch nicht die riesigen Aquarien. Für die Kinder aber ganz interessant, da hat man beim Essen etwas Ruhe während sie Fische schauen gehen. Naja, „Ruhe haben“. Der Laden ist bummvoll, da ist nix ruhig. Aber die Kinder sind zumindest beschäftigt. Momo, komm essen sonst hauen wir’s weg. Kein Hunger mehr? Ok, passt. Lass uns zum Spielplatz in der Esplanade gehn. Die Kinder lieben den Spielplatz, also bleiben wir hier einige Stunden. Bis es kalt wird.

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Babychino (Kakao mit Milchschaum) für die Kinder bei Moore&Moore. Und für Mama.
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Mit Spielbereich, herrlich für uns die kleinen mal abzugeben.
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Fish’n’Chips bei Cicerello!
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Gar nicht mal so gut wie sie behaupten.
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Spielplatz bis es kalt wird.
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Die Kinder sind im Himmel, Sabine und ich sind glücklich dass es ihnen so gut gefällt.

Baden. Schlafen gehen. Alles gut. Morgen wollen wir auf Rottnest Island fahren und kleine Quokkas ansehen. Die gefährdeten, knuddeligen Zwergkängurus werden auch als die fröhlichsten Tiere der Welt bezeichnet. Die gibt es hauptsächlich hier auf Rottnest Island und sind der Grund weshalb die Insel auch diesen Namen trägt („Rattennest“). Man dachte anfänglich Quokkas wären riesige Ratten. Ja, das ist unser Plan für morgen. Erst mal schlafen. Das funktioniert auch gut.

Bis Momo sich zur Seite dreht und fragt:
–  Mama?
–  Ja, mein Schatz?
–  BLEEUGHH !! *speibt das ganze Bett voll*

Ok, Rottnest Island ist gestrichen. Betten abziehen, Kind abziehen, frische Hotel-Badetücher aus dem Poolbereich holen, Badetücher drunter legen, Küberl holen. Momo schläft wieder. Setzt sich 15 Minuten später wieder auf.

–  He Schatzi, is dir schlecht? Musst du brechen?
–  Nein.
–  Ok hast du Durs…
–  BLEEUGH !! *speibt wieder ins Bett*

Nuni im Nebenbett wurde wie durch ein Wunder nicht getroffen. Hm, so kann das nicht weiter gehen, wir müssen uns trennen. Sabine und Nuni bleiben im sauberen Bettteil, Momo und ich übersiedeln ins Badezimmer. Dort schlafen wir (zeitweise jedenfalls) auf Badetüchern. Zugedeckt mit Badetüchern, ein wenig teilbeschmutzter Decke und angesauten Pölstern direkt neben dem Klo. Erholsam ist anders.

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Momos Nachtquartier im Badezimmer
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Mit Badetüchern zugedeckt, direkt neben dem Klo am kalten Fliesenboden.

Am nächsten Morgen geht es Momo wieder blendend. Müde halt, aber kein Bauchweh, nix. Rottnest Island lassen wir aber sicherheitshalber trotzdem bleiben. Wir chartern einen Flug vom Hotelzimmer zur Rezeption, entschuldigen uns für die Sauerei und bitten um neue Bettwäsche. Sehr freundlich und verständnisvoll waren sie nicht unbedingt, aber ist ok. Die Putzfrau kriegt jedenfalls dickes Trinkgeld von uns.

So gehen ein paar Tage dahin. Am letzten Abend fahren Momo und ich mit dem Riesenrad im Esplanade Park. 11 Euro für 4 Runden für uns beide. Geht. Wir steigen ein. Und machen uns ins Höschen, so hoch ist das. Meine über die Jahre langsam aber stetig anwachsende Höhenangst ist nicht hilfreich, Momo sitzt am Boden und hat die Augen zu. Eh schön da oben. Aber die steife Brise vom Meer lässt uns ordentlich schaukeln. Runde um Runde graben wir unsere Fingernägel in den Sitz und hoffen schnell wieder bergab zu fahren. Wir sind die einzigen am Riesenrad. Der Betreiber winkt uns bei am Ende der vierten Runde zu und ruft: „Nobody is here, i let you go another 4 rounds!“, dreht sich weg und es geht für uns wieder rauf. Nein, nein, nein, bitte…aber er sieht uns nicht. Das Rad dreht sich weiter. Es wird ein kleines Workout für uns. Jeder Muskel ist angespannt. Ich will dem Herren deuten, dass wir gerne raus wollen, aber er unterhält sich gerade mit einem Kollegen. Und wieder geht’s rauf. Irgendwann löst sich die Aufregung bei mir und ich kann mir die Landschaft genauer ansehen. Eigentlich eh fein da oben. Momo bleibt am Boden und klammert sich an meine Beine. Nach Runde 7 sieht der Betreiber her, sieht mich mit den Händen wacheln und lässt uns aussteigen.

–  War‘s gut? Did you enjoy it?
–  Jaja, great. Awesome. Beautiful view.
–  Ihr könnt gerne noch ein paar Runden fahren, kein Problem!
–  Äh, nö, wir müssen erst mal Unterhose wechseln. Danke. Vielleicht nächstes Mal dann.

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Huiii und es geht nach oben
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Unten die Little Creatures Brewing Company, hinten der Private Yachthafen von Fremantle.

Im Zimmer packen wir unsere Sachen ein, denn morgen geht es zum Wohnmobil! Da startet unsere siebenwöchige Reise an der Südküste Australiens entlang bis rüber nach Sydney.

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Zusammenpacken. Oder so.

Sieben Wochen Wohnmobil. Na ob das alles gut läuft. Ob wir Kängurus sehen? Koalas? Oder giftige Tiere?

Es wird jedenfalls spannend!