Quer durch die Rocky Mountains

California Zephyr – Teil 1

Wir sind im Amtrak Superliner der Route „California Zephyr“ – der schönsten Zugstrecke der USA – und werden hier planmäßig auch die nächsten 25 Stunden verbringen. Wir fahren nämlich von Chicago bis nach Glenwood Springs, Colorado, mitten in den Rocky Mountains.

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Die California Zephyr Route. Wir bleiben ein paar Nächte in Glenwood Springs, Colorado (CO).

Diesmal haben wir kein Familienabteil sondern zwei nebeneinander liegende kleine Schlafkojen. Auf den ersten Blick sind sie ganz gemütlich. Nicht sonderlich viel Platz aber es reicht für uns. Sabine und Nuni sind in Kabine 12, Momo und ich in Kabine 14 im unteren Geschoß.

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Nuni macht es sich gemütlich

Es ist 16 Uhr als wir einsteigen und der Zug fährt nach einem kräftigen „AAAAALL ABOOOOARD“ des Schaffners ab.

Die Durchsage kommt: „Hello boys and girls, my name is James, I am your attendant here in the sleeper cars today, if you have any wishes, just press that yellow button that says ‚Call Attendant‘ „. Sehr nett dieser James. Wir sehen uns gleich darauf hin den Zug ein wenig an. Auf unserer Ebene sind die WCs und die Dusche, oben sind nur weitere Kabinen. Im nächsten Waggon beginnt der öffentliche Teil des Zuges. Er hat oben das Panorama Deck, hier sitzen viele Amish herum. Natürlich mit iPhones und Laptops in der Hand, was sonst. Unten ist die Cafeteria, da kann man sich um 5$ ein Cola kaufen. Billig, billig. Wieder rauf und einen Waggon weiter ist das Restaurant. Danach beginnen die Großraumwagen. Na gut. Gehen wir wieder zurück.

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Das Restaurant im SuperLiner
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Im Panoramawagen sitzen wir neben Amish und schauen uns die langweilige Landschaft von Illinois an

Nuni kann unten am Gang gemütlich auf und ab laufen, da der einzige Fluchtweg für ihn die Stiege hinauf ist, die haben wir aber gut im Blick. James kommt zu uns und nimmt unsere Dinner Reservation entgegen. Im Ticketpreis sind nämlich Abendessen und Frühstück inkludiert. Wir wollen um 17.30 Uhr essen, damit wir danach bald die Betten herrichten und uns hinlegen können.

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Hier unten hat Nuni Platz um herum zu laufen

17.30 Uhr ist es bald und wir machen uns fertig für den Weg hinüber ins Restaurant. Die Erwartungshaltung ist gering, das Essen am Weg von Washington nach Chicago war ja eher weniger überzeugend. Die Tür zum Restaurant öffnet sich und wir werden eines Besseren belehrt. Die Tische haben Stofftischdecken, man wird abgeholt und an den Tisch gebracht, das Menü klingt vielversprechend. Burger, Steak, Cesar Salad, HotDogs, Mac’n’Cheese,… mmh.

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Das Essen war erstaunlicherweise sehr gut
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Steak, HotDog,….hat gepasst!

Das Essen war dann auch tatsächlich recht gut! Das Steak rosa, Mac’n’Cheese waren cremig und Momo schmeckt der HotDog ausgezeichnet. Wir lassens uns schmecken. Draußen ist es mittlerweile schon dunkel geworden. Wir sind aus Illinois raus und fahren durch Iowa.

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Sonnenuntergang an der Grenze von Illinois zu Iowa

Vollgestopft gehen wir wieder runter zu unseren Kabinen und machen uns bettfertig. Momo möchte im oberen Bett schlafen, Nuni wird bei Sabine unten bleiben. Wird kuschelig.

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Unsere kuschlige Kabine, Momo schläft oben, ich unten
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Gemütlich haben wir’s….noch

Ein letztes Luftschnappen beim kurzen Stop in Ottumwa, Iowa, und danach legen wir uns hin.

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Ottumwa, Iowa! Hier gibt es…nichts. Außer einen kurzen Stop zum Luftschnappen
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Yeah! Ottumwa!
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Hopp wieder rein, dass der Zug nicht ohne uns fährt.
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James unser lustiger Zugbegleiter

Eine halbe Stunde später ist Momo bereits eingeschlafen. Dann bleibt der Zug stehen. Und stehen. Und stehen. Und nach 20 Minuten plärrt die Durchsage aus den Lautsprechern, dass eine der Loks ein Problem hat. Ich schnelle auf und hau mir gleich den Kopf an beim Versuch die Durchsagelautstärke leise zu drehen, damit Momo nicht aufwacht! Wir müssen warten bis sie den Fehler gefunden haben. Der Strom wird mehrfach aus- und wieder eingeschalten. Dabei geht das dunkle Nachtlicht aus und stattdessen strahlt die Festtagsbeleuchtung im ganzen Abteil. Dann wieder aus. Dann wieder an. Was machen die bitte??? Momo wuzelt sich aber glücklicherweise nur bei diesem Disco-Licht. So einen guten Schlaf hätte ich gerne.

Irgendwann geht es weiter, nachdem der Lokführer uns mitgeteilt hat, dass er nur Schritttempo fahren darf. Zumindest für die nächsten 10 Meilen. Zach. Aber immerhin fahren wir.

Der Zug dürfte wieder Geschwindigkeit aufgenommen haben, denn gegen Mitternacht fetzt es mich bei einem seitlichen Ruck halb aus dem Bett. Momo wacht auch davon auf und möchte zu mir runter. Na bravo, wir beide auf der schmalen Pritsche? Na was solls. Komm runter, wir kuscheln halt. Momo haut sich im Zuge der Nacht mehrfach den Kopf an der Wand an, ich liege die restlichen Stunden hochkant mit dem Po aus dem Bett ragend auf den äußersten 10cm der Matratze.

Herrlich verspannt mit tauben Gliedmaßen wachen wir dann in Nebraska auf und bestaunen den Sonnenaufgang über der mehr als flachen Landschaft. Weideland bis zum Horizont. Da kann man sich richtig vorstellen wie vor zweihundert Jahren noch die Büffelherden durchs Land gezogen sind mit Cowboys und Indianern auf ihren Fersen.

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Alles flach in Nebraska
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Büffelherden, Cowboys und Indianer vor meinem geistigen Auge

Zum Frühstück gehen wir wieder ins Restaurant. Nuni spielt sich mit einem Milchpackerl für den Kaffee. Der Kellner sitzt am Tisch hinter uns und spielt Verstecken mit Nuni. „He is our favourite baby on board, such a sweet guy!“. Nuni hat Spaß und beißt auf dem Milchpackerl herum. Plötzlich *PLATSCH* zerreißt es das Packerl mit einem Knall. Da hat er wohl zu stark zugebissen. Der Kellner hat Milchspritzer im Genick und meint augenzwinkernd „Ok that’s it, not our favourite baby anymore.“

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Frühstück in der Morgensonne
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Da war das Milchpackerl noch ganz und noch nicht im Nacken des Kellners

Peinlich, peinlich. Wir vertreiben uns im Abteil die Zeit mit Hörbüchern und aus dem Fenster schauen, Sabine sieht sich einen Horrorfilm am Handy an. Dann rollen wir mit bereits 3h Verspätung nach Denver rein.

„Boys and Girls, we are arriving at DENVER. If DENVER is your stop, please get off the train, this is DENVER. If DENVER is not your final stop, you can get some fresh air in DENVER, but don’t go too far away, we will be leaving DENVER in 10 minutes with or without you. DENVER is our next stop. We are arriving in DENVER. DENVER, everybody. DENVER. If you haven’t paid attention so far, we are arriving in DENVER. This is DENVER.“ Unser Zugbegleiter ist lustig.

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Denver, everybody!! DENVER!!
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DENVER!!!!!

Bis jetzt war das Land flach. Nun beginnen die Rocky Mountains. Der Zug quält sich im Schritttempo die Hügel hinauf. Es wird rockiger und rockiger. Immer weiter hinauf und Denver wird in der Ferne immer kleiner. Schön ist es.

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Die Skyline von Denver wird immer kleiner
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Der Zug schleicht Meter für Meter bergauf
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Die Rocky Mountains werden auch immer rockiger

Ein wenig Schnee liegt am Boden, aber nicht viel. Es ist sehr hübsch, und wir fahren an den Ortschaften Fraser und Granby vorbei und danach den Colorado River entlang durch malerische Canyons.

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Wir staunen und fotografieren durchgehend
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Der Colorado River noch ganz jung

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Wir haben Verspätung und es wird schon wieder dunkel

Wir sollten um 12.30 Uhr in Glenwood Springs sein, erwartete Ankunft ist mittlerweile 16.45 Uhr. Ansich ist es ja hübsch draußen, aber die Kinder, speziell Nuni, wollen nicht mehr. Sie wollen raus. Wir kämpfen uns die letzten Stunden durch und kommen dann endlich in der Dunkelheit in Glenwood Springs an.

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Endlich in Glenwood Springs mit 4 Stunden Verspätung

Hier ist es kalt. Der Bahnhof liegt direkt neben dem Colorado River, am anderen Flussufer verläuft der Highway 70. Es ist recht laut. Wir warten auf unsere Koffer und fragen uns wie wir jetzt zu Fuß zu unserem Häuschen kommen. Da fragt uns der Chauffeur vom Hotel Colorado Shuttle ob wir nicht auch bei ihm mitfahren wollen. Er hat Platz und nimmt uns gerne mit. Ja das ist doch super! Vielen lieben Dank! Auf der Fahrt erzählt er uns feine Geschichten wie Massenmörder Ted Bundy hier gewütet hat und wo er aus welchem Gefängnis ausgebrochen ist. Super! Sabine fühlt sich richtig unwohl, sie hatte ja vorhin erst den Horrorfilm gesehen.

Wir steigen in der Maple Street 509 aus. Unser Häuschen! Sehr schnuckelig.

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Schnell rein, es ist ziemlich kalt da draußen.

Wir gehen mal rein, denn draußen ist es etwas frisch. Drinnen erwartet uns ein rustikaler Colorado Charme der 90er. Weicher Teppichboden, Blümchen, Gasofen. Passt zu der Gegend.

Ich hole noch Wasser von der Tankstelle und Essen vom Mexikaner für die Family, Sabine räumt derweil den Koffer aus.

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Abendessen vom Mexikaner und alle sind happy.

Wir richten uns ein, umstellen Nunis Bett mit den Sesseln aus dem Esszimmer als Rausfallschutz. Wir kontrollieren alle nach draußen führenden Türen und Fenster, ob eh alles verschlossen ist. Einen Serienkiller brauchen wir nämlich nicht im Haus.

Alles sicher, dann haun wir uns mal in die Betten. Hoffentlich wirds gemütlicher als letzte Nacht im Zug!

Glenwood Springs – Tag 1

Heute scheint die Sonne. Die Nacht war für Nuni und mich fein, Sabine hat sich nicht so erhohlt, da Nuni recht unruhig war. Die Kinder holen Spiele aus dem Wandregal. Schiffe versenken, Vier gewinnt, Chutes and Ladders und Americaopoli, einer USA Version von Monopoly. Wir spielen viel und machen uns am späten Vormittag fertig um raus zu gehen und einzukaufen.

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Sooo, fein einrichten erst mal. War viel zu sauber bisher. Jetzt ists gemütlich.
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Nuni taugen die Deckenventilatoren sehr
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Es werden alle Spiele ausprobiert die in Reichweite der Kinder sind
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Chutes and Ladders, Vier gewinnt,…

Raus mit uns. Die Sonne scheint, es ist ein herrlicher Tag heute! Wir gehen runter zur Hauptstraße und warten auf den Bus, der uns zum Supermarkt bringen soll. Uns knurrt der Magen, denn wir haben noch nicht gefrühstückt. Wo bleibt der Bus? Hmpf. Nächster Bus kommt in 40 Minuten. Wie mühsam ist das denn bitte?! Hey, hinter uns ist ein Diner! Na dann lasst uns frühstücken gehen. Wir schlagen uns die Bäuche im Village Inn voll und kommen gerade richtig wieder raus für den Bus zum City Market.

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Unsere Unterkunft bei Tageslicht. Cool!
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Fesch, fesch ists in der Maple Street
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Bus kommt nicht! Frechheit!
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Dann halt fett frühstücken im Village Inn!

Im City Market kaufen wir dann alles was gut und ungesund ist ein. Herrlich! Wieder raus mit 6 Sackerl in den Händen.Der Bus kommt wieder nicht daher, also blödeln wir um uns die Zeit zu vertreiben.

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Santa Claus wartet auch auf den Bus? Ja wo gibts denn sowas?

Mit dem Bus geht es dann wieder retour.

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Ein kurzer Blick auf die Hot Springs am Heimweg

Daheim wird wieder weiter gespielt mit allen möglichen Spielen. Unermüdlich möchte Momo alle Brettspiele im Schrank erkunden. Weggeräumt werden die vorherigen Spiele natürlich nicht. Entsprechend schaut es nach kurzer Zeit bereits aus.

Momo erzählt uns er freue sich schon so sehr auf Schnee und Schneeballschlacht. Leider liegt kaum einer im Garten. Sabine und er gehen raus machen das beste draus.

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Der Dino im Garten ist auch traurig, dass kein Schnee liegt
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Sabine und Momo geben sich trotzdem eine Schneeball bzw Schneerestl-Schlacht
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Nuni interessiert das wenig und macht lieber Musik mit dem Gartenschlauch

Zur Stärkung koche ich danach Eiernockerl, natürlich von Hand geschabt, wie ich es von der besten aller Schwiegermütter gelernt habe.

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Eiernockerl für ganz Glenwood Springs, ich habe nämlich wie immer viel zu viele gemacht.

Gegen Abend fühlt sich Sabine nicht besonders. Ein wenig erhöhte Temperatur hat sie. Die schlechten Nächte in letzter Zeit gehen an die Kondition. Vielleicht steckt auch noch ein Rest aus der Verkühlung in Washington dahinter? Wir gehen früh schlafen und hoffen das Beste.

Glenwood Springs – Tag 2

Es hat geschneit!!! Der ganze Garten ist von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Momo ruft ganz außer sich vor Glück:“ Wir müssen raaaaaus! Schneeballschlaaaacht! Kommts alle mit raus!!!“

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Es hat geschneeeeeeit!!

Wir ziehen uns an und gehen in den Garten.

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Schneeeeeeee!!! Momo im Glück

Der Schnee ist perfekt. Der ideale Schneeball/Schneemann-Schnee. Wir bauen gleich einen Schneemann und schon währenddessen geht es los mit der Schneeballschlacht. Wir jagen durch den Garten, reiben uns ein, schießen uns ab. Das macht Spaß!! Bald sind wir durchnässt und erfroren. Rein und warm duschen!

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Das hat sich Momo gewünscht. Buddeln im Schnee
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Schneemann bauen hat Priorität
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Fast gleich groß wie Momo geworden!
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Mit Gesicht und Knöpfen sowie Papas Handschuh als Frisur sieht er doch chic aus!

Wir verbringen den restlichen Tag wieder mit spielen, Blog schreiben und genießen, dass wir nach den anstrengenden letzten Tagen einfach mal nichts zu tun haben. Nur sitzen und nichts tun. Sabine geht es noch immer nicht ganz gut, das daheim bleiben kommt ihr sehr entgegen.

Fein ist das 🙂

Glenwood Springs – Tag 3

Heute ist es wieder etwas wärmer. Im Garten liegt kaum mehr Schnee und der Schneemann ist schon zu 80% geschmolzen.

Glenwood Springs ist bekannt für seine heißen Quellen. Da möchte ich unbedingt hin. Sabine fühlt sich noch immer nicht ganz fit und bleibt mit Nuni daheim. Momo und ich packen die Tasche und stapfen zum Fluss runter, wo sich die Hot Springs Freibäder befinden. 42$ Eintritt, na holla. Die lassen sich das aber zahlen.

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Die Hot Springs, berühmt seit über 100 Jahren

In der Umkleidekabine sitzen viele nackte, alte Männer. Momo ist etwas irritiert, so viele schrumpelige Penisse zu sehen. Ich bin froh, dass hier keiner Deutsch spricht. Die Kommentare des sechsjährigen Momo zu den tief hängenden Hoden des Herren neben uns bleiben somit unbemerkt.

Umgezogen und eingewickelt in Badetücher wagen wir uns in die Kälte hinaus. Es stinkt nach Schwefel und Chlor. Tolle Mischung. Wir gehen zügig in das große, 32°C Grad warme Becken. Herrlich. Wenn dieser Duft nicht wäre, wärs sogar noch besser. Wir schwimmen ein wenig hin und her, da spricht uns ein Typ mit Baby an:

„Hey where are you from, I am from Chicago, but I was born in Montana. You have the metric system in Europe, right? No Fahrenheit and Feet and Yards. Much better the metric system. They should change it. This is my daughter, she already had a swim in Lake Michigan in Summer. This is her first time in Glenwood Springs. My other daughter,….“

Leicht überfordert von seiner Redefreudigkeit bin ich froh, dass mich Momo plötzlich mit Schnee vom Beckenrand aus bewirft. „Heeey! Sorry, I have to go. It was great talking to you. Bye!“ Der Schnee ist trotz des warmen Wassers ziemlich kalt im Becken. Wir spielen uns damit und haben Spaß ihm beim Schmelzen zu beobachten. Wir wechseln rüber ins 40°C Grad warme Becken. Huiuiui das ist mal warm. Wie eine heiße Badewanne. Das tut meinem Rücken ganz gut, aber Momo ist es unangenehm. Also wieder retour. Brrrr. Im Vergleich dazu wirkt das andere warme Becken richtig kalt.

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Momo und ich garen langsam im heißen Wasser

Wir bleiben noch einige Zeit im Bad, die 42$ sollen sich auszahlen. Beim Umziehen schaukeln wieder fremde, faltige Genitalien im Raum um uns herum und wir stinken vom Wasser nach fauligem Ei und Chlor. Na das klingt doch nach einem erfolgreichen Vormittag.

Daheim findet Sabine den Duft nicht ganz sooo prickelnd, also wird geduscht und Haare gewaschen. Wir kochen Mittagessen und waschen unsere Wäsche, denn morgen geht es ja wieder weiter. Der restliche Tag besteht wieder aus Entspannen, Koffer packen und die Seele baumeln lassen. So solls sein.

California Zephyr – Teil 2

Ok, gestern haben wir nur so getan als würden wir Koffer packen. Tatsächlich liegt noch immer alles herum. Also suchen wir hektisch alles in der Wohnung zusammen. Unter der Couch, unterm Tisch, in irgendwelchen Töpfen,…Spielfiguren von Vier Gewinnt und Battleship finden wir überall.

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Letzte gemütliche Minuten auf der sonnengewärmten Veranda

Unser Zug geht um 12:30 weg von hier. Wir überlegen uns, ob wir nicht einen Refund oder ein Gratis Upgrade bekommen würden aufgrund der langen Verspätung beim Herfahren. Wir packen uns zusammen und rodeln gegen 11 Uhr mit allen drei Koffern zum Bahnhof.

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Koffer gepackt, Angezogen und fertig sind wir!
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Tschüss liebes Häuschen!
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Bahnhof Glenwood Springs. Da hat sich innen wie außen seit 100 Jahren nichts mehr getan.

Dort frage ich die einzige Angestellte an diesem Bahnhof was zu tun ist. „Oh you have to call Customer Services. But you can have my phone if you want.“ Sehr nett! Ein Telefonat vom Österreichischen Handy aus wäre sicherlich recht teuer gewesen.

Ich hänge erstmal in der Warteschleife und hoffe zu einer echten Person zu kommen. Dann ist sie am Rohr.

– Hallo, der Zug hatte 4h Verspätung, gibts da was?
– Wahnsinn, vier Stunden? Ja, sie kriegen einen 200$ Gutschein.
– Hey Top. Wir fahren in einer Stunde mit dem Zug weiter, ist unsere letzte Fahrt. Können wir da ein Upgrade haben auf einen besseren Raum?
– Ja, das geht, kostet dann noch 198$ extra.
– Cool, machen wir.
– Sehr gut, habe alles eingegeben, die Dame bei Ihnen am Schalter muss nur noch die neuen Tickets ausdrucken und sie zahlen bei ihr die offenen 198$. Danke!
– Passt, danke!

Dieses Telefonat hat im Grunde so stattgefunden, nur war es 100 mal mühsamer und es hat 45 Minuten gedauert bis alles endlich geklappt hat. Sabine möchte noch schnell Essen kaufen gehen und läuft mit Momo rauf und über die Straße in ein Diner für Grilled Cheese Sandwiches und Pommes. Es ist 11.50 Uhr. Der Zug könnte jeden Moment kommen.

Die Dame am Schalter freut sich für uns, dass das Upgrade geklappt hat und versucht nun die Tickets zu drucken. Geht aber nicht. Nichts klappt. Sie flucht und ruft Kollegen in der Zentrale an. „It says invalid form of payment!“ Wieder telefoniert sie. Dann legt sie fröhlich auf uns sagt „Hey, they made a mistake, they forgot to deduct your 200$ Ticket price for the one room. So you dont have to pay anything, instead you get 4$ back!“

Nix zahlen? Ja super! Und unsere Tickets? Jaaa, das funktioniert noch immer nicht. Wir werden nervös. Der Zug muss jeden Moment kommen und wir haben keine Tickets!

Der Zug rollt ein.

Die Dame am Schalter wird hektisch. „Why doesnt it work?? I have to get out and get this train on the way!“ Sabine kommt komplett außer Atem reingelaufen. „Der Zug ist da, das Essen ist aber noch nicht fertig, ich musste jetzt weg gehn, sonst fährt der Zug ohne uns!“

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Der Zug ist schon da und soll in wenigen Minuten wieder fahren, aber wir haben noch keine Tickets!!!

Die Angestellte beginnt zu schwitzen. „This form of payment is invalid! Why??“ Die Schaffner vom Zug kommen rein und fragen was los sei, warum die Dame nicht draußen ist um die Koffer entgegen zu nehmen. Der Zug muss wieder weiter fahren! „Was sollen wir denn machen? Schon an Bord gehen??? Aber wir haben ja keine Tickets!!“.

„Aaaaaah, just go on board, quickly! I will call the train conductor!“ Wir hetzen an Bord, suchen unser normales und das upgegradete Zimmer. Der Zugbegleiter kommt drinnen zu uns und meint beruhigend, dass sicher alles passen wird. Die Dame schnapst sich die Geschichte per Telefon mit dem Lokführer aus und wir sollen uns keine Gedanken machen. Holt Luft, Willkommen an Bord!

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Pfuh…Stress pur. Aber wir sind an Bord.

Das neue Zimmer hat ein eigenes Bad, ein breites Bett und einen weiteren Sitzplatz. Das ist toll, hier hat Nuni Platz zum Rumlaufen! Unsere Kabinen sind diesmal oben, weshalb Nuni nicht raus darf. Zu eng, Stiegen gehen runter, alles etwas unsicher. Momos und meine Kabine ist weiter hinten im Waggon. Irgendwie ist es ungemütlicher als bei der Herfahrt.

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VIP Abteil für Sabine und Nuni
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Momo und ich haben die schmale Kajüte wie letztes Mal

Wir zuckeln weiter durch die Rocky Mountains und sehen wieder verschneite Landschaften und Täler. Zeitweise gibt es einen richtigen Schneesturm! Mittag-/Abendessen nehmen wir wieder im Zug, da schmeckts uns.

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Nuni liebt die Mac’n’Cheese
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Heyooooo Abendessen!
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Diesmal: Burger
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Die Landschaft ändert sich laufend

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Schneesturm gibts zeitweise! Angeblich ist hier eine Straße unter dem Schnee

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Nach Grand Junction sind wir in Utah und das Wetter wird wärmer. Salt Lake City sehen wir schon nicht mehr, da ist es wieder Mitternacht und dunkel.

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Betten herrichten fürs schlafen gehen
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Good Night…hoffentlich dieses mal wirklich good.

In Winnemucca, Nevada, wachen wir auf. Momo hat natürlich wieder bei mir unten auf der schmalen Pritsche geschlafen. Die Nacht war entsprechend.

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Guten Morgen Nevada!

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Sabine geht es nicht gut. Die Nacht war furchtbar und ihre Kondition ist am Boden. Kopfweh, schlapp, wahrscheinlich Fieber. Nuni ist anstrengend und will nicht mehr Zug fahren. Nuni ist bei Sabine, Nuni ist in meiner Kabine, Nuni ist am Gang, Nuni wieder drin. Ist er in der Kabine weint er, steht bei der Tür und will raus. Es ist sehr anstrengend. Wir versuchen aber in ruhigen Momenten die Aussicht so gut es geht zu genießen.

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Sabine ist fertig, die schöne Aussicht muntert sie aber ein wenig auf.

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Sehr hübsch sind die Täler hier. Und wieder ganz anders. Über Reno und an Lake Tahoe vorbei zischen wir flott bergab Richtung Sacramento und auf die San Pablo Bay zu. Dort sehen wir immer mehr Palmen.

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Wetter gacke in Martinez, aber nicht mehr lange, dann sind wir da!

San Francisco ist nicht mehr weit!

Und dann kommen wir um ca. 16.00 Uhr endlich in Emeryville an. Endstation!!!

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Endstation Emeryville!!! Wir sind am Ziel!
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San Francisco ist nur mehr einen Katzensprung entfernt auf der anderen Seite der Bucht

40 Minuten zu früh sind wir da. Es regnet. Der Amtrak Bus, der uns nach San Francisco rein bringen soll kommt daher erst in 40 Minuten. Nuni kann am Bahnhof aber auch nicht gut rumlaufen. Wir stehen also mit den drei Koffern draußen, zwar überdacht, aber der Regen kommt seitlich zu uns reingesprüht. Durchsage aus dem Lautsprecher: „Der Bus steht in einem Stau auf der Bay Bridge am Weg zu uns, er wird voraussichtlich 30 Minuten Verspätung haben.“

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Warten auf den Bus? Nicht mit uns!

OK, uns reichts. Wir wollen nicht mehr warten. 70 Minuten sind zu viel. Wir holen das Handy raus, starten die Uber-App und holen uns ein Taxi, das uns direkt heim bringen soll. Kostet 40$, aber das ist es uns wert. Sabine gehts nicht gut, Nuni ist auch am Ende.

Die Sonne beginnt langsam unter zu gehen.

Uber ist schnell da, und wir rollen langsam (Rush Hour) nach Hause. Die Fahrt dauert statt 20 Minuten fast eine Stunde. Aber immerhin sind wir ohne Umwege unterwegs.

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Stau? Ach was. Wirkt sicher nur so.

In der Dunkelheit erkennen wir während der Fahrt Alcatraz und einen kleinen Teil der Golden Gate Bridge.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich allerdings noch keiner gedacht, dass das mein einziger Blick auf die Brücke bleiben wird.

Aber davon mehr im nächsten Kapitel über San Francisco….