Wohnmobil Tagebuch Teil 2: Südinsel Ostküste

22.10.
Heute gehts zur Fähre! Ab auf die Südinsel!! Die Zufahrt zur Fähre finden wir erfreulicherweise gleich. Wir stehen in einer Reihe mit anderen Wohnmobilen, neben uns Autos und Motorräder. LKWs haben ebenfalls eine eigene Wartereihe. Es geht pünktlich los mit der Beladung. Das ist ja super (ganz im Gegensatz zum Autozug in Hamburg damals…so kann’s also auch gehen).Wir fahren durch die offene Schiffsschnauze (oder Bug, für alle Freunde der Schifffahrt) hinein und bekommen im riesigen Innenraum einen Parkplatz zugewiesen. Wohnmobil zusperren und Stiegen rauf in den 8. Stock zum Aufenthaltsraum und Aussichtsdeck. Es gibt an Bord einen Spielbereich mit Fernseher, Es läuft Disney Junior…Endlich wieder Momos heiß geliebte PJ Masks, Lion Guard, Doc  Mc Stuffins….er ist im Himmel.
Drei Stunden brauchen wir für die Überquerung der Cookstraße. Ich laufe am Schiff herum und mache Fotos und Videos und schneide danach das Waiheke Video damit was weiter geht auf Youtube. Sabine sitzt bei Momo und plant die Route für die kommenden Tage und checkt die besten Campingplätze. Die Fähre schippert durch die Marlborough Sounds…ein toller erster Eindruck der Südinsel! Mit der riesigen Fähre fahren wir eng an den Bergen vorbei. Nur Urwald, hier und da gibt es eine Hütte an der Küste und Netze im Wasser. Wir erfahren, dass das Hummerfischer sind, die in den Netzen ihre Hummer „frisch“ halten, bis der Preis am Markt richtig ist. Jedenfalls ist die Fahrt mit der Fähre sehr scenic.

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Die Interislander
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Hinein mit uns
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Marlborough Sounds

In Picton angekommen fahren wir schnell von der Fähre runter. Die Tankanzeige meint, dass wir noch etwas weniger als einen halben Tank haben, also noch Diesel für ca. 200km. Die nächste Tankstelle ist gleich beim Hafen, bei der werden wir gleich alles auffüllen. Die ist voll besetzt. Mühsam. „Fahren wir doch einfach zur nächsten Tankstelle, hm? Die kommt ja schon in 90km.“. Ja das geht sich eh gut aus, machen wir das. Wir fahren hin. ‚Sonntag geschlossen‘. Ja verdammter Mist. Laut Navi kommen noch zwei Tankstellen in knapp 100km. Wir müssen uns entscheiden: Umdrehen und 90km retour fahren oder hasardieren und 100km weiter ins Ungewisse. Den Mutigen gehört die Welt, also weiter gehts! Huiuiuiui, das wird sehr knapp. Hoffen wir das beste. Wir fahren also den Highway 6 weiter in Richtung Südwesten. Die Landschaft hier in Marlborough besteht hauptsächlich aus Weinbergen. Hier kommt auch der Großteil des weltberühmten Neuseeländischen Sauvignon Blancs (gut erkennbar durch seine starke Holunder-Note) her. Es regnet jetzt leicht und es ist bewölkt. Die Wälder, die wir sehen sind in Monokultur gepflanzte Nadelbäume. Das wirkt optisch europäischer auf uns als die uns bekannten Wälder der Nordinsel. Offensichtlich ist man hier sehr forstwirtschaftlich orientiert. An anderen Stellen sehen wir natürliche Wälder, die abgeholzt wurden um Weiden für Schafe und Kühe zu schaffen. Die Reservelampe unseres Tanks leuchtet mittlerweile. Nicht mehr weit bis Murchison. Durchhalten, Maui…durchhalten. Braves Auto…bitte nicht stehenbleiben! Kriegst auch einen Keks!!!

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Die Landschaft…
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…wird immer hügeliger.
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Am Highway 6 bei Murchison

Mit Müh und Not rollen wir in die Tankstelle in Murchison. Die hat geöffnet! Hurra! Sabine atmet erleichtert laut durch. Was is los Schatzi? Hast dacht wir schaffen es nimma? Mit einem Meisterfahrer wie mir am Steuer kann ja gar nix passieren! 😀 Extra cool marschiere ich wie ein Cowboy ums Auto herum und hänge lässig die Zapfpistole in den Tank. Der füllt sich offenbar sehr schnell und geht voll über. AAAH! Vorbei mit der Coolness. Anscheinend hab ich die Zapfsäule für LKWs erwischt, wo extra viel und schnell Diesel getankt wird. Jajaja kannst deinen Grinser wegstecken, Sabine.

Tank voll, 90 Dollar vertankt und wenig lustig noch weiter zu fahren. Wir bleiben einfach in Murchison. Der Campingplatz hier ist auch gut bewertet auf CamperMate, DER Camping App für Neuseeland. Wir stoppen am Murchison Motorhome Park und weichen dort den freilaufenden Hühnern aus. Die sitzen am Weg und bewegen sich nämlich nicht von der Stelle. Platzerl bezogen und eingerichtet, danach koch ich mal für die hungrige Meute Eiernockerl. Das geht gut und Momo freut sich. Eiernockerl hat er das letzte mal daheim bei der Oma gegessen. Normalerweise werden sie von ihm mit massig Ketchup gegessen, das lassen wir hier weg, Neuseeland liebt anscheinend Ketchup mit Nelkengeschmack. Die Flasche lassen wir gleich hier zurück.

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Gut gekocht ist halb gewonnen

Mit vollem Bauch wollen wir runter zum Fluss. Der mäandert sich hier wild durch die Landschaft. Unser Park liegt aber in der Innenkurve einer Flusschlinge und das Wasser bildet einen ruhigen Pool. Man könnte schwimmen gehen. Könnte. Wenn man 10 Grad kaltes Wasser liebt. Anschauen reicht aber auch.

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Kurz vor der Sandfly Attacke

SANDFLIES! Von diesen mistigen Viechern sind wir bisher verschont geblieben. Hier gibt es sie aber reichlich! Diese Stechmücken sind so lästig wie sie klein sind und die Stiche jucken wie Sau. In der Dämmerung durchs Gemüse runter zum Fluss zu gehen war wohl weniger sinnvoll. Schnell weg vom Wasser. Ich will nicht die Böschung zick-zack rauf sondern schneidig abkürzen. Dabei rutsch ich im feuchten Gras ab und verstauch mir fest die rechte große Zehe. Shit. Das ist mal unangenehm. Sabine haut sich ab und Momo lacht mich auch gründlich aus…Das ist meine liebevolle Familie…und sie lachen weiter….Ich glaub ich tausch meine Familie einfach um. Ich tausch ich sie einfach um. Gegen einen Sack Kartoffeln oder so.

Ich humpel also in den Wohnwagen zurück und muss mir noch ein paar mal anhören wie lustig ich dabei ausgesehen habe. Pfff. Frechheit. Nächstes mal wenn ich mir den Zechen verstauchen will werde ich versuchen etwas eleganter zu sein. Vielleicht eingesprungen mit Salto und Pirouette oder so. Na ich hoff mal, dass es über Nacht besser wird.

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Unser Platzerl in Murchison

23.10.
Die Zehe schmerzt immer noch. So was blödes. Autofahren geht aber. Wir fahren die 65er runter, den Maruia River entlang. Dort bleiben wir bei den Maruia Falls stehen. Die sind ansich nicht sonderlich spektakulär, was sie aber interessant macht ist, dass sie erst durch ein Erdbeben in den 1920er Jahren entstanden sind. Das hat das Flussbett nämlich um 8 Meter gehoben. Man kann die einzelnen Felsschichten gut erkennen. Sabine und Momo gehen zum View Point, ich krieche mit und ziehe meinen Fuß wie ein lahmeneder Hund hinterher. Endlich bekomme ich das gebührende Mitleid von Sabine. Es sind ja immerhin immense Schmerzen, die ich hier gerade durchlebe. Ich unterstreiche  das ganze noch mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck und gelegentlichem „AU!“. Sabine lacht mich gleich wieder aus und Momo macht mit. Oida. Ich tausch sie morgen gleich um. Gegen eine Avocado. Oder eine Zwiebel. Zwiebel ist gut. Zwiebeln können nicht lachen. Und man kann Suppe draus machen. Oder in den Salat mischen. Ur gut.

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Trotz mehrfachem Splitterbruch im großen Zeh filme ich die Maruia Falls. DAS ist Hingabe

Während der Fahrt überlege ich mir für welche Speisen ich die Zwiebel verwenden könnte. Auf dem Highway 7 bleiben wir stehen und mampfen Spaghetti in einer Picnic Area am Straßenrand. Die Aussicht runter ins Tal ist fesch, aber das Auto wackelt jedes mal sobald ein LKW vorbei saust.

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Hier lässts sichs gut pausieren
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Spaghetti mampfen

Wir fahren bald weiter nach Hanmer Springs. Die Fahrt dahin ist hübsch. Im Ort bleiben wir aber nicht stehen, sondern fahren nur durch und stellen uns auf den Gratis Campingplatz im Woodland Walk Recreation Reserve. Wir stehen bisserl bergab unter Birken. Frisch ist es da. Wir packen die dicken Winterdecken aus und bereiten uns auf eine kalte Nacht vor. Ein Check in der Nacht sagt uns 5°C 😦

24.10.
In zwei Monaten ist Weihnachten! Weg von Hanmer Springs. Wir wollen nach Christchurch! Die Campingplätze sind teuer dort. Sabine organisiert uns daher einen Stellplatz in einer privaten Auffahrt in der Hawford Road! Ein sehr schönes Haus im Süden der Stadt mit breiter, geschützter Auffahrt. Die Familie bietet Strom und WLAN und verdient sich so was dazu. Nicht blöd die Idee.

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Da versteckt er sich, der elegante Maui

Wir gehen zur Bushaltestelle und fahren rein zum Bus Interchange. Das ist ein großer Kopfbahnhof für Busse. Wie ein Flughafenterminal in klein. Überall sind Anzeigetafeln. Umsteigen zu Buslinie 259 in 7 Minuten an Gate D. Das ist mal angenehm. Besser als draußen auf der Straße herumlaufen von Haltestellensäule zu Haltestellensäule und schauen ob da der Richtige Bus stehen bleibt. Nein, hier findet man flott wo man hin muss. Das gefällt mir. Wir spazieren durch die Innenstadt. Es sind noch erschreckend viele Gebäude kaputt vom großen Erdbeben im Februar 2011. Die Kathedrale ist zerstört und dem Verfall frei gegeben.

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Die zerstörte Christchurch Cathedral

Andere alte Gebäude werden gestützt und sind aber unbewohnbar. Andere sind abgerissen worden und durch moderne Glasbauten ersetzt worden. Wir sehen uns das alte Cable Car an, marschieren auf der Victoria Street wo es viele Lokale und Murals (Wandmalereien) gibt.

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Wir gehen durch die Stadt bis zu den Botanical Gardens im Hagley Park. Der ist riesig. In ihm ist sogar ein Golfplatz. Und das in der Stadtmitte. Wahnsinn. In den botanischen Gärten gibt es einen schönen Spielplatz und große Wiesen. Momo kann hier laufen und rutschen bis er müde ist. Wir gehen durch den Park durch, am Christ’s College vorbei und sehen uns die Container Mall kurz an. Diese wurde 2011 aus metallenen Transportcontainern gebaut und existiert noch als Post-Erdbeben-Wahrzeichen. Wir essen ein paar Gassen weiter im ‚Orleans‘ als Abendessen Spiced Flank Steak, Buttermilk Chicken und Fried Couliflower.

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Hagley Park
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Botanical Gardens
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Hier konnte Momo viel toben

Zurück zur Bus Interchange und heim. Laptop und Zahnbürste sind mittlerweile auch wieder aufgeladen, das ist gut. Wir sind müde und schlafen bald ein.

25.10.
Die Nacht war sehr angenehm. Nicht allzu kalt, ruhig, gut wars. Bei der Abfahrt verrät man mir, dass es auf der Banks-Halbinsel bei Birdling’s Flat immer wieder Megalodon (Urzeit Riesenhai)-Zähne gefunden werden. Ich soll genau schauen, die sind gerne mal Handteller groß und werden oft für Holz gehalten. Also achtsam sein! Diese Info triggert meine schatzjägerische Indiana-Jones-Ader. Da muss ich hin. Diese Zähne gehören in ein Museum! Sabine hatte eigentlich schon den Tag verplant. Diesen Plan werfe ich aber erfolgreich über den Haufen. Es zahlt sich aus der Fahrer zu sein. Die anderen können sich nicht wehren 😀 An der Landzunge angekommen ist Sabine noch etwas wegen der Planänderung verstimmt und bleibt im Auto. Ich nehme Momo mit auf die Zahnsuche.

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Hier suchen wir nach den Megalodonzähnen

Diese gestaltet sich aber recht schwer. Momo will auf diesem riesigen Kieselstrand nicht herum gehen. Alle paar Schritte möchte er lieber Steintürme bauen und spielen.
Momo bitte komm weiter…ich mag nur bis zu dem Stecken da vorne gehen. Hm? Bitte steh auf und komm jetzt mit. Hm? Bitte. Momo will nicht. Ich seufze laut und versuche ihn zu überreden, was nur mühsam klappt. Kaum beim Stecken angekommen wird wieder gebaut. Papa spiel mit mir! Aaaargh. Meine Megalodonzähne wollen gefunden werden! Ich kann doch jetzt nicht Spielen! Gleich mein Schatz, ich mach eine Runde und komm dann wieder zu dir. Ich suche in der Umgebung die Treibholz Nester ab und sehe mit jeden verdächtigen, angespülten Gegenstand an. Immer wieder schau ich zu Momo. Hm. Armer Bub. Sitzt da alleine und spielt mit Steinen. Ach Gott. 😦 Ich breche die Suche ab, lasse Megalodon Zähne Megalodon Zähne sein und setz mich zu ihm auf die warmen, schwarzen Kieselsteine. Wir haben Spaß und bauen eine schöne Steinburg mit Schutzwall.

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Unsere Steinburg

In die Mitte der Burg kommt zum Schluss ein großer, rosafarbener Stein. Momo nennt ihn den „Stein der Liebe“. Der muss ja beschützt werden, dass uns keiner die Liebe stiehlt. Süß 🙂 Nach einer Stunde Burg bauen gehen wir zurück. Sabine hat inzwischen Essen gekocht und wir sind alle gut drauf.

Wir fahren zurück Richtung Christchurch und schlagen aber kurz vorher einen scharfen Haken nach Süden. Wir wollen den Highway 1 runter. Durch Ashburton durch weiter nach Timaru. Meine Güte ist diese Fahrt zach. Es geht ewig nur gerade aus. Der Highway ist bis auf wenige Überhol-Abschnitte eine einspurige Landstraße. Mit den vielen Lastwagen, die unterwegs sind ist es unheimlich mühsam. Unser Maui ist ja auch kein Sportwagen, daher fällt überholen flach. Wenn es mal zweispurig wird, sind die Autos hinter mir oft schneller und ich kann nicht Spur wechseln. Es regnet zeitweise und wir sind gezwungen im Sprühnebel hinter einem LKW zu schleichen. Das schlaucht mich komplett. Im Timaru fahren wir zum Patiti Point, einem kleinen Parkplatz oben auf einer Klippe. Die Aussicht ist wieder nett, auch wenn es regnet. Heute schlafe ich schlecht. Nachdem wir gestern das zerstörte Christchurch gesehen haben muss ich in der Nacht viel nachdenken. Was mache ich, wenn jetzt ein Erdbeben käme? Bricht dann die Klippe ab ins Meer? Fahr ich bei ersten Anzeichen gleich ins Landesinnere? Wie weit muss ich fahren um aus der Tsunami Zone zu kommen? Wo liegt überhaupt der Autoschlüssel? Gedanken über Gedanken. Immer wieder denk ich mir, dass die Sorge unnötig ist. Aber wenn es doch passieren sollte hätte ich immerhin schon einen ausgearbeiteten Notfall Plan. Also doch lieber weiter denken. Irgendwann, es muss sicherlich nach Mitternacht gewesen sein, hab ich mich beruhigt und schlafe endlich ein.

26.10.
Es regnet wieder in der Früh. Es gab in der Nacht kein Erdbeben, die Klippe ist noch am selben Platz wie gestern Abend. Bestens! Wir bleiben mal im Pyjama und fahren früh los. Hier hält uns nichts, wir wollen einfach nur weiter fahren. So zach wie es gestern auf der Straße war, so zach geht es heute weiter. Wenigstens ist es jetzt heller. Den Highway entlang immer weiter Richtung Süden. Bis nach Moeraki gehts. Da gibt es perfekt kugelige Steine, die „Moeraki Boulders“, sowie Kolonien von Seelöwen (eigentlich „Neuseeländische Seebären“) und Gelbaugenpinguinen. In Hampden bleiben wir stehen und essen zu Mittag im ‚Vanessa’s Cottage Café‘. Keine große Auswahl aber es schmeckt uns gut.

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Vanessa’s Cottage Café
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Die Auswahl ist klein, aber gut

Jetzt suchen wir einen Platz für die Nacht. CamperMate schlägt uns zwei Campingplätze vor. Den ‚Moeraki Village Holiday Park‘ im Nachbarort Moeraki drin oder den ‚Moeraki Boulders Kiwi Holiday Park‚ hier in Hampden. Am Papier liest sich der Moeraki Village Park etwas besser, also fahren wir mal zu dem. Die Aussicht dort ist fesch. So aufs Dorf runter mit Hafen und Meer. Schön. Wir fahren in die Einfahrt rauf und entdecken gleich den Spielplatz. „Spielplatz“. Wir müssen alle fest lachen als wir den sehen. Ist das deren Ernst?? Das ist ja ein Baustellengrüst, an das eine Rutsche lieblos drangeschnallt wurde. Nein, da wollen wir nicht bleiben, das sieht ja lebensgefährlich aus.

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Der großartige Spielplatz…
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…lädt zu mehreren Verletzungen ein

Nein, nein, schnell zurück nach Hampden zum Kiwi Holiday Park. Der ist gmiadlich. An der Einfahrt weht eine Schweizer Flagge. Das Büro ist geschlossen aber es hängt ein Schild da auf dem steht, dass wir uns einfach selber einen Platz suchen sollen und sie uns vertrauen, dass wir den richtigen Betrag für die Übernachtung in den dafür vorgesehenen Briefkasten werfen. Cool. Wir stellen uns auf einen netten Platz und machen es uns gemütlich. Hier gibt es keinen so schönen Spielplatz wie am anderen Campground, aber dafür ein Spielboot, viele Go-Karts, ein neues Trampolin, Bälle und viele Bücher und Spielsachen im Gemeinschaftsraum. Sabine wäscht die Wäsche, ich koche eine Riesenmenge Zucchini, Melanzani, Karotten, Erdäpfel, Sellerie und weitere feine Gemüse zu einem tollen Gemüsegatsch.

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Moeraki Boulders Kiwi Holiday Park
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Wäsche sortieren

Wir lernen andere deutsche Gäste kennen, die Schweizer Inhaberfamilie schaut auch vorbei und wir plaudern kurz mit ihnen. Alles sehr gemütlich da. Wir verlängern unseren Aufenthalt gleich. Hier möchten wir eine zweite Nacht bleiben. Am Abend sehen wir noch kleine Kaninchen, die um unser Auto herum Klee und Gänseblümchen knuspern. Das Wetter ist gut, es ist nicht kalt, aber etwas windig draussen. Es wird bald dunkel und wir hauen uns aufs Ohr.

27.10.
Heute wollen wir entspannen. Die Moeraki Boulders ansehen und eventuell nachher noch die Pinguine und Seelöwen. Das wird aber knapp, weil die Boulders am Strand liegen und nur bei Ebbe anzusehen sind. Ebbe ist um 15.00 Uhr und wir brauchen zu Fuß eine halbe Stunde hin. Mit Momo sicher länger. Eher zwei Stunden 😛 Die Pinguine sind unter Tags draußen im Meer und kommen erst am Abend rein. Um 19.00 Uhr schließt das Reservat am Katiki Point. Da brauchen wir mit dem Wohnmobil auch noch sicher 20 Minuten hin. Na schauen wir mal was sich ausgeht. Momo spielt mit Holzbauklötzen im Gemeinschaftsraum, Sabine checkt wieder die Route für die nächsten Tage und ich schreibe hier die Berichte der letzten Tage nach. Es ist 14 Uhr. Lasst uns losgehen! Es geht ein Wind, es ist bewölkt. Irgendwie sind wir alle genervt. Warum auch immer. Ich glaube es setzt auch langsam der Wohnmobil-Koller ein, weil wir so 24/7 aufeinander picken. Da müssen wir durch.

[Hier stehle ich den Text aus Sabines Facebook-Beitrag, der schildert die Situation so gut]

von Sabine:
„Bereits nach 500 Metern setzt sich Momo auf den Boden, zieht sich seine Gummistiefel aus und beginnt in einer Wasserlacke zu spielen. Ich erkläre ihm, dass wir inzwischen weitergehen und er nachkommen soll. Einige Minuten und Meter später kommt Geschrei von hinten. Momo lässt seine Gummistiefel irgendwo am Strand hinten stehen und schlendert langsam kreischend zu uns. Wir gehen nun alle zusammen weiter, Mir ist ziemlich kalt und Momo nass. Irgendwie schaffen wir es nach ca. 45 Minuten zu den großen Steinen die gar nicht mal so groß sind. Ein paar lustige Fotos später müssen wir wieder zurück. Momos Hose ist pitschnass, mir ist kalt, der Wind kommt nun von vorne und bläst permanent unangenehm ins Gesicht. Momo stoppt uns am Rückweg ständig, weil die Ampeln in seinem Spiel rot sind. Ich bin genervt von dem Ausflug und Wetter, ich will einfach nur so rasch wie möglich zurück ins warme Wohnmobil. Ich habe keine Geduld mehr und will Momo hochnehmen um ihn zurückzutragen. Er möchte nicht und beginnt zu schreien. Meine Geduld ist am Ende, ich setze ihn wieder auf den Boden und schreie ihn an, er schreit zurück und weint, ich schreie zurück und beschließe alleine vor zu gehen, weil ich in dem Moment nicht mehr weiter weiß. Jacob kümmert sich um Momo. „

Ja so war das. Ich habe beim Zurücktragen mit Momo gesprochen und versuche ihm zu erklären, was gerade los war, warum die Situation so passiert ist bzw was ich denke. Momo beruhigt sich bald. Zurück im Wohnmobil versöhnen sich Sabine und Momo gleich. Diese Explosion war anscheinend wichtig um einmal diese ganze aufgestaute ‚Wohnmobil-Koller‘ Energie loszuwerden. Wir entscheiden uns dafür, nicht mehr zu den Pinguinen zu fahren, sondern das einfach auf morgen früh zu verschieben. Heute wollen wir nur mehr chillen und den Tag verdauen.

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Sabine, noch gut drauf
Blog Teil 2-15
Momo, noch gut drauf
Blog Teil 2-42
Sabine und Momo nicht mehr gut drauf

28.10.
Heute ist ein sonniger Tag. Der Himmel blau, es geht kaum Wind, es ist warm. Herrlich 🙂 Wir wollen jetzt Pinguine und Seelöwen sehen. Also packen wir uns zusammen, räumen den Platz und fahren auf einer Schotterstraße auf und ab bis vor zum Leuchtturm am Katiki Point.

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Katiki Point Lighthouse

Wir gehen ins Reservat rein. Es führt ein kleiner Trampelpfad über Wiesen auf die Klippen vor. Links und rechts sehen wir unten kleine Babyseelöwen. Und auch einen Pinguin! Zwar nur einen, aber immerhin ein Pinguin! Was wir jetzt noch nicht wissen ist, dass es auch der einzige Pinguin auf unserer gesamten Reise bleiben wird. Er zeigt uns nur seinen Rücken. aber hey, ein Pinguin! Vorn auf der Klippe ist es schön. Das Meer ist recht ruhig und das Wasser klar, wir können erwachsene Seelöwen beim Schwimmen beobachten. Wir setzen uns ins Gras und beobachten, wie sich die kleinen Babyseelöwen in der Sonne putzen und schlafen. Das ist super. So aus nächster Nähe, ganz in der Natur. Schön.

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Wir beobachten Seelöwen beim Tauchen und spielen
Blog Teil 2-20
Der Pinguin. Auch ein Rücken kann entzücken
Blog Teil 2-52
Seelöwen Baby
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Seelöwen Baby

Wir fahren die Schotterstraße zurück nach Moeraki hinein und essen Mittag im ‚Fleur’s Place‚. Wir setzen uns oben auf den Balkon und genießen dort die Sonne und die Aussicht. Sabine bestellt uns eine Muschelsuppe, Momo Fish’n’Chips und sich selber ein lokale Spezialität, ein Filet vom Blue Cod (Deutscher Name ‚Sandbarsch‘ oder ‚Krokodilfisch‘) mit Kapernsauce. Das finde ich sehr gut…bis auf die Kapernsauce. Kapern pur sind ja ok, aber Kapernsauce ist nicht meins. Ich bestelle mir lieber den gegrillten Gurnard, der, wie der Krokodilfisch, einen gefährlich klingenden deutschen Namen hat. Nämlich ‚Seekuckuck‘. Den bestelle ich gegrillt im Ganzen. Darauf freue ich mich schon. Die Mittagssonne ist mittlerweile ganz schön heiß. Uiii, das Essen kommt. Herrlich sieht das aus. Gleich kosten. Hm? Was ist das für ein Geschmack? Haben die auf meinen schönen Gurnard doch tatsächlich Kapern-Butter draufgegeben :((( Davon stand nix auf der Karte. Zum (See)Kuckuck! Schade, Schade. Das trübt den Genuss etwas, aber der Fisch ist dennoch großartig. Lecker. Momo isst seinen Fisch ebenfalls mit Freude, Sabines Blue Cod ist auch super.

Blog Teil 2-5
Muschelsuppe
Blog Teil 2-3
Blue Cod mit der Kapernsauce in einer Paua-Schale
Blog Teil 2-6
Gegrillter Gurnard mit Kapernbutter

Die Sonne brennt währenddessen weiter runter. Mit vollen Bäuchen gehen wir wieder zum Wohnmobil. Ein Blick in den Spiegel zeigt mir…hier habe ich gut gegessen und einen fetten Sonnenbrand aufgerissen. Mein Gesicht ist knallrot, meine Arme und das Genick ebenfalls. Ich schmiere mich kurzerhand komplett mit Bepanthen ein. Ich sehe bescheuert aus. Gott sei Dank gibt es keine Beweisfotos 😀 Wir fahren durch Dunedin (ausgesprochen „Dann-ih-denn“) durch. Hier hätten wir uns gerne das Otago Museum angesehen. Leider ist es schon zu spät dafür. Es schließt bereits um 17:00 Uhr und es ist 16:30 als wir ankommen. Na dann fahren wir gleich weiter nach Brighton in die Brighton Recreational Reserve. Ein Gratis Parkplatz am Meer. Wir gehen gleich runter. Es ist Ebbe und wir können die schönen Felsen und Klippen genau bestaunen. Sabine ist kalt und wundert sich, wie hier Kinder und Erwachsene nur in Badehose ins kalte Wasser hüpfen können ohne zu erfrieren.

Blog Teil 2-4
Wieso frieren die alle nicht?

Sie geht bald wieder ins Wohnmobil. Momo und ich erkunden noch weiter den Strand und gehen die Flussmündung hinein. Das Wasser ist hier pischwarm! Es spielen zwar viele Kinder im Wasser, aber so viel Lulu können die auch nicht machen um den ganzen Fluss damit aufzuwärmen. Da muss es wohl warme Quellen geben oder die Sonne extra stark scheinen. Wir bauen eine Sandburg und waten durchs Wasser bis die Sonne untergeht. Dann gehen wir zu Sabine rauf und kuscheln uns gemütlich ins Bett. Au! Ich lieg da auf irgendwas unangenehmen…ein Bauklotz! Den haben wir wohl unabsichtlich aus Moeraki mitgehen lassen. Raus aus dem Bett damit, ich will schlafen. Gute Nacht!

Blog Teil 2-7
Die Sandburg

 

29.10.
Heute gehts ganz in den Süden. Den Highway 1 runter bis Balclutha, und dann links abgebogen runter zum Catlins Forest Park. Wir fahren runter nach Purakaunui und lassen den Kakapoint dabei links liegen. Für das obligatorische Foto mit Kakapoint-Schild und Klopapier bleiben wir aber am Straßenrand stehen. So viel Zeit für Fäkalhumor muss sein.

Blog Teil 2-9
Höhöhöhö…Kaka Nugget Point

Wir sehen uns die Purakaunui Wasserfälle an, die über mehrere kleine Stufen mitten im Wald steil hinunterplätschern.

Blog Teil 2-21
Purakaunui Falls

Danach wollen wir zur ‚Lost Gypsy Gallery‚. Hier hat sich ein Mann niedergelassen, der zuvor ein Nomadenleben geführt hat. Er ist ein Bastler und stellt hier in einem ehemaligen, alten Wohnmobil seine kleinen selbstgebauten Maschinen aus. Die bestehen meist nur aus Draht und Lichtern und einer Batterie. Die drehen sich, sie gurgeln, sie hüpfen auf und ab wenn man an einer Kurbel dreht. Sehr witzig und einfallsreich. Das ist aber nur ein kleiner Teil des ganzen Areals. Die eigentliche ‚Lost Gypsy Gallery‘ ist ein Freiluft Garten, in dem ebenfalls selbst gebaute Maschinen und Skulpturen zu bestaunen sind. Da wollen wir rein. Eintritt erst ab 13?! Wahrscheinlich aus Angst, dass Kinder was kaputt machen. Wir gehen zum Besitzer, dem Gypsy höchstpersönlich, und fragen ihn ob es ok ist, wenn wir mit Momo rein gehen, wenn wir ihn tragen. „Nah, probabliy not“. Na geh…Das is fies. Wurscht, dann halt nicht.

Blog Teil 2-43
The Lost Gypsy Gallery
Blog Teil 2-38
Das Innere des Wohnwagen-Museums

Wir haben eh noch einen schönen Punkt auf der Liste, die Cathedral Caves in Chaslands. Wir haben Glück! Die sperren wegen Ebbe um diese Jahreszeit erst um 16.00 Uhr auf und wir sind um 16:05 da. Es ist also noch nix los. Der Weg vom Parkplatz runter zum Strand führt durch Maori-Land. Der Eintritt ist frei, aber es gibt eine verpflichtende 10 Dollar Donation. Auch gut. Das Wegerl führt steil den Hügel runter. Durch dichten Urwald wandern wir und landen nach 20 Minuten an einem wunderschönen, breiten Sandstrand. Es scheint so seicht zu sein, dass sich das Meer bei Ebbe sehr weit zurück zieht. Und wir sind fast alleine hier. Toll.

Blog Teil 2-26
Keiner da

Wir gehen am Strand entlang zu einer Klippe. Und da sehen wir den Eingang zur Höhle. Imposant sieht es aus. Die Höhle ist durch Wellen, die an den Felsen geschlagen sind und dabei weichere Gesteine rausgelöst haben, entstanden. Es waren ursprünglich zwei Höhlen, die sich aber am inneren Ende miteinander verbunden haben. Wir gehen hinein, immer weiter, sicherlich über 100 Meter, bis es fast komplett dunkel ist. Wasser tropft von der Decke, der nasse Sand knistert unter den Füßen und das Rauschen des Meeres hallt leise wieder. Es ist superschön hier. Wir machen viele Fotos und ich gehe zwei mal durch.

Blog Teil 2-24
Der Eingang zur Cathedral Cave
Blog Teil 2-25
In der Höhle
Blog Teil 2-22
Der Ausgang
Blog Teil 2-64
Zurück zum Wohnmobil

 

Am Strand spielen wir noch im Sand, bevor wir wieder den Hatscher bergauf zurück zum Auto anreißen. Es ist jetzt schon 18.00 Uhr und wir düsen zu unserem Schlafplatz im Waikawa Recreation Reserve. Hier stehen wir einsam, aber sehr nett am Wasser. Hey, um die Ecke ist die Curio Bay. Da soll es Pinguine und Delfine zu sehen geben. Hm. Die ist wirklich nah. Und es ist bald Dämmerung, da kommen die Pinguine ja rein. Na passt fahren wir da auch noch hin. Den Parkplatz finden wir schnell. Die Schilder dort sind aber missverständlich. Ist die Curio Bay jetzt links oder rechts? Der Weg links scheint richtig zu sein, führt aber durch einen Campingplatz? Strange. Probieren wirs halt. Wir gehen durch und sind an einem Strand. Aha, hier kommen anscheinend kleine Hector-Delfine oft rein und man könnte sogar mit ihnen schwimmen wenn sie das wollen. Cool. Aber wir sehen keine. Es gibt einen Weg auf die Klippe rauf. Ob da die Pinguine sind? Ich lauf mal vor und schau es mir an.

Blog Teil 2-10
Blick auf die Curio Bay

Die Aussicht ist toll, aber Pinguine gibts keine. Ich sehe auf einer steinernen Plattform unten beim Meer Menschen herumgehen. Da müssen die Pinguine sein! Also wieder runter laufen zu Sabine und Momo. „Wir sind hier falsch, wir müssen zurück zum Auto und ganz ans andere Ende.“ Ein Augenrollen, ein ‚Na oida‘ und ein paar Minuten später sind wir dann drüben bei so genannten ‚Petrified Forest‘ beim ‚Versteinerten Urwald‘. Die steinerne Plattform, die ich von oben aus gesehen habe war vor Millionen Jahren ein Sumpf.

Blog Teil 2-67
Der ‚Petrified Forest‘, leider ohne Pinguine

Wir suchen die Pinguine. Die dürften wohl hier sein, aber anscheinend nur dann wenn wir weg sind. Wir sehen keinen einzigen.

Blog Teil 2-65
Millionen Jahre alte, versteinerte Baumstämme und -stümpfe

Die Sonne geht gleich unter, drum marschieren wir zum Wohnmobil zurück und fahren retour zu unserem Platzerl in Waikawa. Immer noch nix los da. Angenehm. Also dann. Ein langer Tag geht zu Ende und wir sind streichfähig. Bis Morgen!

Blog Teil 2-11
Waikawa Recreation Reserve

Ein Gedanke zu “Wohnmobil Tagebuch Teil 2: Südinsel Ostküste

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