Gastbeitrag: Väter an die Macht oder mehr Zutrauen und Aufgabenverteilung in der Familie!

von unserer lieben Freundin Julia

Die meisten Mamas kennen es: eine aufsteigende Wut, Überforderung und das Gefühl sich um ALLES alleine zu kümmern. Angefangen bei Terminvereinbarungen von Arztterminen, täglichen Einkäufen im Supermarkt, Anschaffung von Kleidung für das Kind, geeignete Geschenke für Geburtstage und Weihnachten, die Inklusion der Großeltern im Familienalltag, die Organisation von Freizeittreffen mit FreundInnen, Bekannten oder das Anleiern von Familienfeiern, all dies bleibt oft den Müttern vorbehalten. Auch die allgemeine Betreuung vom Kind (ob nun der Papa arbeitet oder auch wenn er im Zimmer sitzt… es wird trotzdem nur die Mama verlangt) und der nächtliche Hinlege-Prozess (bei dem das Energie-Glas der Mamas meistens schon fast leer ist und nun auch auf die Bedürfnisse der Kinder nicht mehr ganz so empathisch und geduldig eingegangen werden kann). All diese Dinge machen wir Mamas. Meist sieben Tage die Woche. Oft neben einem Dienstverhältnis. Die Mama-Energie-Kurve ist meist nach ein paar Wochen am Tiefpunkt. Streitgespräche, Vorwürfe und allgemeine Gereiztheit liegen in der Familienluft.

Aber woran liegt das? Sind es wirklich die „bösen“ Väter, die sich nicht kümmern wollen und somit eine recht antiquierte Arbeitsteilung innerhalb der Familie, wo die Väter verdienen und die Frauen sich um Haushalt und Kind kümmern? Ich glaube, das ist in den wenigsten Fällen so.

Denn schaut man sich das öffentliche Bild an, zeigt sich eine ganz andere Entwicklung. Immer mehr Väter tragen ihre Babies, eingehüllt in Tragetücher und Liebe durch die Welt, in immer mehr Eltern-Kind-Cafés sieht man die Papas am Boden kraxelnd mit ihren Kindern spielen und immer mehr Paare teilen sich die Karenz, wonach die Väter meistens den zweiten Part der Karenz bei dem Kind zu Hause bleiben. Oft bis zu einem Jahr. Auch das (unbezahlte) Papamonat, welches direkt nach der Geburt genutzt werden kann, wird immer öfter genutzt, weil die Väter sich inkludieren wollen.

Woran liegt es also, dass das Gefühl der Mutter-Überforderung noch immer da ist?!

Ich kann nur aus meiner ganz persönlichen Sicht und aus Gesprächen mit lieben Mama-Freundinnen erzählen 😊. Meistens ist es so, dass in den ersten Lebensmonaten des Kindes die Mutter rund um die Uhr das Baby versorgt und meist zu Hause ist. Mutter und Kind haben so die Möglichkeit sich in ihrem eigenen Tempo kennen zu lernen und nach und nach entwickelt sich ein gut „handle-barer“ Familienalltag, bei dem Haushalt, Freunde und Familie möglichst gut kombiniert werden. Die Entstehung dieser Tagesstruktur und eines Rhythmus, der auch für die Bedürfnisse der Mutter gut passt, wird aber auch hauptsächlich durch die Mütter „geschaffen“. Wenn dann die Papas von der Arbeit nach Hause kommen und mit dem schon müden Kind wild zu spielen beginnen, werden sie von uns Mamas auch nicht gerade herzlich beäugt. Denn dann ist unser gerade aufgebautes und gut strukturiertes System durcheinander gebracht. Wie schaffen wir es also, dass wir einerseits eine ausgeglichene Begleitung des Kindes oder der Kinder im Alltag zu haben und andererseits die eigenen Bedürfnisse zu wahren?

Ich möchte hier auf keinen Fall behaupten, dass es in meinem Familienleben „perfekt“ rennt, nur war ich es irgendwann leid immer in dieselben Muster zu fallen und mich zu ärgern und mich mehr und mehr von meinem Partner zu distanzieren. Was ich aus einem Leben mit Kind gelernt habe, ist es zu „streiten“ (davor war ich DER Harmonie-mensch schlechthin und Streit war gleich bedeutend mit „irgendwas stimmt da in der Beziehung nicht“) und dass das Leben aus Phasen besteht. Aus Auf und Abs und dass es all diese Phasen braucht um sich weiterzuentwickeln. Natürlich ist es gefühlsmäßig angenehmer in einer Aufwärts-Phase zu sein, aber auch aus Tiefpunktsituationen kann man gestärkt hervorgehen.

 

Ich habe das Gefühl, es geht viel um Folgendes:

– die Kommunikation zwischen den Eltern (denn woher will ich wissen, was sich im Kopf des anderen gerade abspielt?!)

– eine Organisation und Aufteilung des Alltags (ich war niiiieee „eine Planerin“, im Gegenteil, ich habe mich immer dagegen gewehrt zu viel zu planen, weil dadurch die Spontanität eingeschränkt wird und ich das Gefühl habe in etwas hineingedrängt zu werden). Im Familienalltag erschien es mir aus verschiedenen Gründen aber unumgänglich den Alltag zu planen und Aufgabenbereiche klar zu verteilen. Erst dann konnte ich anfangen zu lernen was es heißt Dinge abzugeben. Zum Beispiel: Wer geht wann mit dem Kind zum Arzt? Ins Theater? Soll es Date-Nights für die Eltern geben? Wer besorgt Geschenke? Wann habe ich Zeit mich mit FreundInnen zu treffen?

Mein Freund und ich versuchen uns in regelmäßigen Abständen zusammenzusetzen und die folgenden Wochen und Monate zu planen, zu besprechen was wir uns von der Zukunft wünschen und was uns wichtig ist. Das lässt sich auch gut mit einem netten Abendessen auswärts oder mit nach Hause geliefertem Essen kombinieren.

– Die Fähigkeit von uns Mamas Dinge abzugeben

– Das Vertrauen zu haben, dass der Vater die Aufgaben genau so gut (nur eben auf seine eigene Art und Weise) erledigt

Was kann das alles bringen?

– die Fähigkeit „ein Auge zuzudrücken“ und zu akzeptieren, dass es nicht nur den EINEN/PERFEKTEN Weg gibt wird gestärkt und wir schaffen es vielleicht auch empathischer mit unserem Partner umzugehen

– nach einer Zeit wird man geduldiger mit seinem Partner und sich selbst

– wir können lernen unseren Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. So wird versucht alle Bedürfnisse innerhalb einer Familie zu erkennen und zu achten

 

In diesem Sinne: Lasst die Väter auch mal ihr Ding durchziehen, lasst sie den Haushalt für ein paar Tage übernehmen, schickt sie Besorgungen machen und Arzttermine wahrnehmen und vor allem: Nehmt euch Zeit für euch! Sagt was ihr braucht und euch wünscht! Und sagt es nicht erst, wenn es in euch zu brodeln beginnt, sondern schon wenn sich das Bedürfnis oder Gefühl der Überforderung ankündigt ❤


Ein Gedanke zu “Gastbeitrag: Väter an die Macht oder mehr Zutrauen und Aufgabenverteilung in der Familie!

  1. Wir teilen uns das meiste paritätisch – meine Frau hat am Freitag generell Mittag Feierabend, von den anderen 4 Tagen kümmere ich mich an zweien Nachmittags um unseren Sohn und meine Frau auch.
    Haushalt ist ebenso fifty-fifty aufgeteilt, wobei der eine halt mehr Spülmaschine einräumt und die andere mehr Wäsche wäscht.
    Sich den Haushalt und die familiären Pflichten gleichberechtigt aufzuteilen geht schon – solange beide wollen und nicht einer sich benachteiligt fühlt, wenn er/sie 51% machen müssen…

    Liken

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