In 25 Stunden um die halbe Welt

von Jacob

Unser letzter Tag in Wien verläuft recht ruhig. Der Koffer ist gepackt und geschlossen, die zwei großen Rucksäcke sind zugeschnürt, das Taxi ist bestellt und kommt uns um 20.00 Uhr abholen. Wir haben also den ganzen Tag Zeit um zu entspannen.

Zu Mittag treffen wir uns zum Essen und Verabschieden mit Momo Oma und Opa. Schnitzi, Cordon Bleu, Jägerpfandl…das alles wird es nicht mehr geben in Neuseeland. Dort ist dann englische Koch“kunst“ angesagt. Wir speisen und plaudern gemütlich. Die Nervosität hält sich erstaunlich gut in Grenzen.

Daheim spielt Momo noch mit seiner Freundin, die seit kurzem auch Nachbarin ist. Er ist somit selig und powert sich durchs Laufen und Stiegen rauf- und runterkraxeln etwas aus. Die Flüge Wien-Dubai und danach Dubai-Auckland werden mühsam sein, da kann er sich dann ohnehin nur noch wenig bewegen. Soll er jetzt toben, dann verschläft er hoffentlich einen großen Teil der Flugzeit.

Unsere lieben Nachbarn backen am Abend Pizza selber und laden uns ein. Hier lassen wir die letzten Minuten gemütlich vergehen. Es ist 19:54 Uhr, das Telefon klingelt. „DER TAXLER IST DA!“ rufe ich aufgeregt in die Wohnung bevor ich abhebe.

– „Hallo?“
– „Hallo, hier is Taxi. Ich kom ers später. So 10 Minuten“.
– „Ok…das heißt Sie sind dann um 20.10 Uhr da. Richtig?“
– „20.10 Uhr?“
– “ Ja, statt 20.00 Uhr dann eben 10 Minuten später um 20.10 Uhr“.
Beleidigt und leise antwortet er: „……….na ok dann komme ich halt um 20.10 Uhr………….“.

Verwirrt verabschiede ich mich bis später. Komisch. Wir setzen uns wieder hin. Es vergehen zwei Minuten, es ist 19:56 Uhr. Da klingelt das Telefon wieder. Selbe Nummer wie vorher.

– „Hallo?“
– „Hallo, Taxi. Ich bin da.“

Was is los mit ihm? Wir sitzen am Tisch, sehen uns ungläubig an und stellen die mentale Fahrtüchtigkeit des Fahrers in Frage. Egal, jetzt gehts los 🙂 Baba sagen, Träne wegdrücken und ab nach Schwechat.

Der Flughafen ist fast leer, wir lassen die Rucksäcke in Folie einwickeln, geben das Gepäck ab und schlendern zum Gate. Der erste Flug geht mit Emirates in einer 777-300 ER nach Dubai.

Abflug
Um 22.00 Uhr ist fast alles leer am Flughafen Schwechat

Wir dürfen mit Momo als allererstes an Bord um den Kindergurt zu befestigen. Momo  schläft schon vor dem Start ein. Der Flug startet pünktlich um 22:30 und dauert ca. 5 Stunden. Sabine und ich fallen auch bald in einen teils tiefen, teils leichten, wenig erholsamen Schlaf. Wie das in Flugzeugen so ist. Etwas müde aber durchaus erholt wachen wir bei der Landeanflugsdurchsage auf.

In Dubai haben wir 4 Stunden Aufenthalt. Wir wollen wir duschen und Zähne putzen. Unser Terminal ist gesteckt voll. Die WCs überfüllt und verstrahlen den Charme der öffentlichen Toiletten an Wiener U-Bahnstationen. Die Duschkabinen grenzen direkt an die WC’s, teilen sich somit den teils abgeschlagenen, beigen Fliesenboden. Ein schneller Blick zeigt, dass erst kürzlich Urin unter der Holz-Trennwand rübergeflossen sein dürfte. Hier wollen wir nicht duschen. Sabine googelt in welchem Teil des Terminals die besten Waschräume sind. Diese liegen, nicht allzu weit entfernt vom Kinderspielbereich, bei den C-Gates. Dort ist es sauber und wir treffen nur wenige Menschen an. Duschen gibt es keine, dafür können wir entspannt Zähne putzen und Katzenwäsche betreiben.

Dubai
A380 am Flughafen Dubai

Die vier Stunden vergehen schnell. Wir gehen diesmal erst nach der First Class (Frechheit!) an Bord. Es steht ein 16 Stunden-Flug, der ehemals längste Flug der Welt, in einem A380-800 nach Auckland an. Mit einer Stunde Verspätung schiebt sich der Airbus in die Luft. Die Flugbegleiter gehen mit einer Sofortbildkamera durch und bieten den Kindern an sich fotografieren zu lassen. Momo möchte das lieber nicht, er hat bereits das In-Flight-Entertainment-System entdeckt und versinkt in Disney Filmen und Kinderspielen. Das machen wir auch. Sabine sieht sich drei Filme an, Jacob gibt sich alle acht Folgen der Serie „Taboo“. Danach riskieren wir wieder einen Blick auf die digitale Landkarte und prüfen wo wir sind. Hurra! Schon über Sri Lanka! ….Moment….das ist erst ein Drittel der Flugzeit. Mühsaaaam!! Die Zeit vergeht nicht. Egal wann wir auf die Karte sehen, die verbleibende Restzeit frustriert regelmäßig. Das Essen zwischendurch war in Ordnung, punktuell geschmacklich herausfordernd, aber im Großen und Ganzen gut.

Airbus
Plätze beziehen in der Kabine
Flug1
Auf dem Weg in den Süden
Flug2
Es wird Nacht

Wir müssen uns immer wieder fest anschnallen, denn Turbulenzen schupfen das Flugzeug hin und her. Bine wird teilweise etwas mulmig und flau im Magen.

Wir fliegen durch die Nacht. Draußen und drinnen ist es jetzt dunkel. Zwischen den Filmen und Serien nicken wir immer wieder ein. Die Luft in der Kabine wurde gegen Ende hin immer gesättigter. Man merkt, dass alle irgendwie in die Sitzpolsterung pupsen, denn sobald sie aufstehen und an uns vorbei gehen dünsten die Gerüche aus dem Schaumgummi oder den Kleidungsstücken der Passagiere. Wir können nicht weg von hier, also Nase zu und durch.

Unsere Route führt an der Indischen Westküste entlang über Sri Lanka, an Indonesien vorbei quer über Australien drüber nach Auckland. Wir kommen um kurz nach 10.00 Uhr morgens am anderen Ende der Welt an. NEUSEELAND!!! Wie oft und lange haben wir uns gewünscht einmal hier her zu kommen. Jetzt sind wir endlich da. Wir sind zwar hundemüde und geschlaucht, aber sehr glücklich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Bei der Einreisekontrolle werden wir vom Sicherheitspersonal gleich freundlich an der langen Schlange vorbei zu einem Extra-Schalter geführt, dass wir mit Momo nicht warten müssen. Ähnlich geht es uns bei der Bio-Security, wo mit Röntgen und Spürhunden nach Erde, Speisen, Getränken und anderen illegalen Gegenständen, die die Neuseeländische Natur gefährden können ausgesiebt werden.

Route
Die Route
Flug3
Erste Blick auf Neuseeland
Ankunft
Warten aufs Gepäck

Nachdem wir alle Checks hinter uns gelassen haben, wird gleich das Wichtigste überprüft: Ich gehe aufs WC und sehe nach in welcher Richtung das Wasser hier abläuft! Es fließt im Uhrzeigersinn in den Abfluss. Aaaah. Science.

Wir schreiben John, der uns sein Apartment für die Zeit überlässt, dass wir gelandet sind. Er empfiehlt uns gleich den SkyBus um günstig in die Stadt zu kommen. Ich gehe also zum SkyBus Schalter, der draußen im Freien bei den Taxis ist. Brrrr. Der Wind geht, es nieselt ein wenig und es hat laut Anzeige 15°C. Wir sind noch immer im Gammelgewand (Weiche Jogginghose und T-Shirt), da fröstelt es uns ein wenig.

In diesem Moment zahlt es sich endlich einmal aus, dass ich mir übers letzte Jahrzehnt eine dicke Isolierschicht am Körper angegessen habe. Ich gehe also raus und informiere mich, wo denn die SkyBus Stationen in der Stadt sind und wie ich am schnellsten zur gewünschten Adresse komme. Die Angestellte war sehr freundlich und hat mir von einer Busfahrt abgeraten, da es bis zur Wohnung noch 15-20 Minuten Fußweg wären. Taxi sei auch nicht gut, die Fahrt kostet 70 Dollar (ca. 57 Euro). Wir sollen lieber das „Super Shuttle“, eine Art Sammeltaxi, nehmen. Ist günstiger und mit müdem Kind sicherlich auch die bessere Wahl. Das nimmt sie immer, verrät sie uns und bemerkt, dass Sie eigentlich Schweizerin ist, aber bereits seit 30 Jahren hier lebt. Wieder eine sehr freundliche Begegnung.

Das Shuttle bringt uns alle direkt zur Wohnung und kostet uns zusammen umgerechnet etwa 34 Euro. Das passt. John empfängt uns sehr herzlich und zeigt uns die feine 30m2 Wohnung an der Ecke Howe Street/Karangahape Road. Ein Wohn-/Ess-/Schlafzimmer mit Küche und ein Bad plus ein Balkon. Das gefällt uns. Im Haus gibt es auch einen Indoor-Pool! Alles sieht neu aus. Wir verabschieden uns von John, denn wir wollen nur ein kurzes Nickerchen machen. Nicht lange, damit wir am Abend wieder müde sind. Wir legen uns um 12.00 Uhr mittag ins Bett und….wachen um 21.00 Uhr wieder auf. Tja. Na was solls.

Kaputt
Jet-Lag? Was ist bitte Jet-Lag?

Koffer ausräumen, einrichten kurz Eltern und Freunde informieren, dass wir noch leben. Wir waschen uns und ziehen frisches Gewand an, schlupfen in unsere Schuhe und spazieren einmal um den Block. Nett ist es hier. Man erkennt wenig, da alles dunkel ist und die Geschäfte geschlossen haben, aber durch die leicht vernieselte Dunkelheit lässt sich schon erahnen, dass es bei Tageslicht hier sehr hübsch sein muss.

Wir kaufen uns in einer Tankstelle gewärmte Meat-Pies (eher mäßig) ein Tramezzini Eck (das haben wir als Ganzes entsorgt) und Kartoffelchips (die waren 1a) als Mitternachtssnack und gehen zurück. Es ist draußen richtig frisch mittlerweile. Es ist erst Frühling hier, der Sommer kommt erst wenn wir wieder heim fliegen. Aber wie das so wird sehen wir ja in den nächsten Wochen noch 🙂

 

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s