Bei uns heißt das ‚Moin‘!

von Jacob

Nachdem Rügen unsere Abfahrt mit viel Regen beweint hat, fahren wir nahezu dieselbe Strecke die wir hergekommen sind wieder retour nach Hamburg, unserer letzten Station in diesem Urlaub.

Wir wohnen in St.Pauli unweit der Reeperbahn im Hotel „Superbude“. Sehr hip diese Unterkunft. Um hier arbeiten zu dürfen scheint man Tattoos, Piercings und bunte Haare zu brauchen. „Hallo, wir haben ein Zimmer hier reserviert. Brauchen Sie die Buchungsbestätigung?“ Die junge Frau am Empfang mit Udo Lindenberg am Arm, Löchern in den Ohren und einem glänzenden Ring in der Nase sieht uns an, wartet ein wenig, holt Luft und meint bestimmt: „Bei uns heißt das ‚Moin‘!'“.

Wo sie Recht hat, hat sie Recht. „Moin, wir haben reserviert.“. „Alles klärchen!“ Jetzt hilft sie uns freundlich weiter. „Tschöö!“ verabschiedet sie uns aufs Zimmer. Lustig. Sehr gemütlich die Atmosphäre.

Unser Grätzel in dem wir hier wohnen ist so, wie man sich St.Pauli vorstellt. Ein bisschen wie die Menschen, die wir hier sehen. Bunt bemalt, verrückt, optisch etwas runtergekommen aber in Wirklichkeit modern. Jedes Haus hat seine einzigartige über Jahre hinweg verdiente, Graffiti-Patina. Ein kleines Geschäft verkauft selbstbedruckte Kleidung und Beutel. Das sehen wir uns mal näher an. Süß, die bedrucken sogar Baby Strampler. Was steht da drauf? „Hakuna Matata…ihr Bitches“. Wow.

Nebenan ist ein Lokal. Von außen sieht es aus wie eine schäbige Kneipe. Die Fenster sind teils mit Brettern vernagelt. Ein Blick auf die Speisekarte: „Gebratene Wachtel auf Haselnusspolenta und Spargelsautée“. Oha! Doch nicht so schäbig. St.Pauli lehrt uns, dass ein oberflächlicher, erster Eindruck genau gar nicht zählt. Das macht es spannend und wir kriegen Lust aufs Entdecken.

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Ungestört ist man beim Entdecken gerade allerdings nicht. Wegen des G-20 Gipfels wimmelt es überall von Polizisten. Ist ja nicht unbedingt schlecht, wir fühlen uns dadurch sehr sicher.

Kulinarisch hatten wir in Hamburg viel Spaß, das sagenumwobene, beste Krabbenbrötchen der Stadt (oder der Welt, wenn’s nach den Hamburgern geht) bei der ‚Fischbrötchenbude Brücke 10‘ um stolze 11,50 EUR. „Der Wittling, dat is en Fisch, frisst die ganzen jungen Krabben wech.“ hören wir. Das hält uns nicht auf. Wir wollen uns nicht von einem Fisch vorschreiben lassen was wir essen können und was nicht. Dazu ein lokales Bierchen: ein ‚Astra‘ oder ein ‚Ratsherrenbräu‘. Sauber. Sabine und Momo geben sich Hamburger Pannfisch in Steffen Hensslers Lokal ‚Ahoi‘ und Backfisch im ‚Fisch&Co‘.

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Neben dem klassischen Sightseeing haben wir uns auch einen langen Besuch im Miniatur Wunderland, der größten Modelleisenbahnlandschaft der Welt, gegönnt. Momo war genau in seinem Element. So viele Straßenschilder und Unfälle zu sehen! Toll. „Mama schau, da brennt das Haus! Schau, da ist das Auto runtergefallen! Schau da sind Menschen verletzt!“. Darf man sich da als Erwachsener mit freuen? Darf man „Super! Lauter verletzte Menschen!“ sagen? Lieber mal überhören und auf die schönen Lichter am Riesenrad hinweisen. Im Bereich ‚Schweiz‘ finden wir sogar den ‚Brückenpinkler‘, eine Figur die laufend versetzt und zwischen den anderen 260.000 Figürchen versteckt wird.

Unseren Tag der Abreise verbringen wir aufgrund des Regens in einem Shopping Center. Momo will hier ins Kinderparadies und dort mit den anderen Kindern spielen. Wir geben der Pädagogin unseren Namen und Telefonnummern. Alles wird kontrolliert und Formulare unterschrieben und Momo bleibt die nächste Stunde alleine dort. Aaaaah. Ein kleiner Kurzurlaub für Mama und Papa. Als wir ihn wieder abholen fragen wir die Dame wie es Momo denn so gegangen ist. „Och, dem geht es gut. Aber wenn nicht, hätten wir Sie eh nicht angerufen.“ Hm? „Ja weil Sie sind ja aus Österreich.“ Super zu wissen. Speziell im Nachhinein.

Nach Smoothies und anderen abschließenden Leckereien fahren wir zum Bahnhof um auf unseren Autozug zu kommen. Verladebeginn ist 19:14 Uhr, Planabfahrt Richtung Wien eine Stunde später. Überpünktlich stehen wir bereits um 18:00 Uhr auf der Zufahrtsstraße im Stau. Nichts bewegt sich. Nichts. Wir parken quasi auf der Straße. Leichte Nervosität kriecht uns den Nacken hinauf. Sabine geht die Straße entlang, Auffahrten rauf und Wege hinunter zum Container in dem die Zuständigen der Deutschen Bahn sitzen. Sie geben ihr die Auskunft: „Der Zug nach Lörrach hatte Verspätung. Der ist vor Ihnen dran. Aber keine Sorge, den Zug nach Wien verladen wir frühestens in 2 Stunden“.

Letzten Endes war unser Skoda um 21 Uhr am Waggon. Losgefahren sind wir danach aber noch nicht. Eine Angestellte am Bahnsteig erklärt uns „Es regnet so heftig, da gibt es Überschwemmungen, darum können wir nicht los.“ Oje. Wir fragen um 22 Uhr einen Schaffner ob es ein Update gibt. „Ne ne, keine Überschwemmungen. Da hat sich wohl wer in Altona auf die Gleise geworfen. Bis die Polizei den wechgeräumt hat dauert das normalerweise so drei Stunden. Und die sind gleich um.“ Auweh. Wird ja immer besser.

Am Handy lesen wir in den Nachrichten um 24 Uhr, dass es weder Lörracher Züge, noch Überschwemmungen, noch Menschen, die wechgeräumt werden müssen, waren, sondern eine Tasche, die den G-20 Polizisten suspekt vorkam. Vielleicht stand ja „Hakuna Matata…ihr Bitches“ drauf?

Wir schlafen nach Mitternacht im noch stehenden Zug ein und wachen kurz nach er österreichischen Grenze wieder auf. Der Schaffner klopft an: „Moin!“ …… Also bei uns heißt das ‚Grüß Gott‘.

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