Rügen Teil 2: Legger Fischbrötchen

von Jacob

Wir hatten also endlich Internet und gewaschene Wäsche und waren somit bereit die Insel zu erkunden. Nach den etwas stressigen Tagen in den Städten freuen wir uns auf Strand, Sonne und Entspannung. Die vergangenen Wochen war auf Rügen durchgehend Sonnenschein. Wir kommen an und die Ostseeinsel begrüßt uns mit: Regen. Und angesagt für die kommenden 7 Tage ist: Regen. Und Gewitter.

Das stört uns aber nur bedingt. Es gibt ja bekanntlich nur schlechte Kleidung. Sabine und Momo haben Gummistiefel und Regenjacken dabei. Ich bin da sportlicher und habe beides sicherheitshalber in Wien gelassen. Pullover und Sneakers werden doch reichen. An alle, die sich bereits Sorgen um meine Gesundheit machen: Alles ist gut gelaufen. Schuhe und Pullover sind immer schnell getrocknet und  Rügener Schnäpse, Liköre (mit den hübschen Namen ‚Mövenschiss‘, ‚Leuchtfeuer‘ und ‚Küstennebel‘) und Sanddornspezialitäten haben mich gesund gehalten.

Also was tun bei Schietwetter? Wir entscheiden uns dafür als erstes mit der Dampflokomotive ‚Rasender Roland‘ (deren Namen ich mir – warum auch immer –  schlecht merken kann) zu fahren. Wir fahren mit dem Bus bis Göhren und kaufen uns dort Karten für den Flinken Ferdinand. Ich bin begeistert, Momo und Sabine stören sich etwas an dem Kohlegestank den der Flotte Franz erzeugt. Im Kleinbahnhof beim Ostseebad Sellin steigen wir aus dem Fetzigen Fridolin aus und flanieren durch den Nieselregen zur (bei Schönwetter sicherlich) malerischen Seebrücke.

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Was mampfen, heim fahren, aufwärmen. Muss reichen für heute. Die Tage danach haben wir, wie es sich für brave Rügen Touristen gehört, eine Bootsfahrt entland der Kreidefelsenküste bei Sassnitz gemacht. Bei Regen und etwas Nebel nicht ganz so spektakulär, aber uns gefällt es auf dem Wasser. Im Sassnitzer Hafen liegen einige Boote, die Fischbrötchen und andere Spezialitäten rund um Fisch verkaufen. „Lecker, lecker.“ denken wir. Fischbrötchen am Hafen, so mit frischem Fisch. Besser wird’s wohl nicht. Wir bestellen Brötchen mit Kräutermatjes, Backfisch und Goldlocken. Goldlocke…das klingt doch super. Das ist sicher ein hübscher Fisch hier im Meer. Bisschen fettig schmeckt er, aber gut geräuchert. Mmmh. So schmeckt die Ostsee. Ich will wissen, wie dieser Fisch aussieht.

Donnerlittchen! Das Internet verrät: Die Goldlocke ist der heiß geräucherte, fettige Bauchlappen der in Asien gezüchteten Tilapia Buntbarsche. Betrug! Da kaufen wir nichts mehr. Wir fahren weiter zum Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt der Insel. Hier gibt es alte Leuchttürme.

Kap Arkona Parkplatz: 4€
Zu dem Leuchttürmen führt ein kleiner Straßenzug: 8€
Auf einen Leuchtturm kann man rauf gehen: 6€
Klo gehen: 0,50€

Nichts geht ohne zu bezahlen. Teuer teuer. Ja sind wir denn hier in Brügge? Hm, es ist Urlaub, man gönnt sich ja sonst nichts. Das Wetter ist jetzt etwas besser. Wir könnten doch zu Fuß vom Leuchtturm ins Fischerdörfchen Vitt gehen. Soll nett sein. „Gehn se doch ein büschen am Weech und dann bei der Trebbe gehn se runder zum Strand. Das is wad schönes. Da kann der Junge Spielen. Und von Vitt, da gehn se zirka zehn Minuten hin, können se dann mim Zuch wieder retour.“ , rät uns eine Angestellte.

Das klingt gut. Da kann Momo etwas im Sand buddeln, das Wetter ist ja halbwegs ok. Wir gehen los. Die besagte Treppe führt geheimnisvoll enge 97 Stufen vom Weg die verwucherte Böschung hinab zum Strand. Ab Stufe 78 regnet es wieder. Wir gehen weiter. Schön ist diese Treppe ja. Aber…wo ist der Strand? Wir stehen unten auf scharfkantigen, faustgroßen Feuersteinen. Und das Fischerdorf ist irgendwo hinten am Horizont zu sehen. Treppe wieder rauf gehen ist keine Option für uns. Wir gehen da jetzt rüber. Es regnet wieder stärker. Danke Rügen.

Wir wackeln uns fast eine halbe Stunde auf den losen Steinen mühsam an geruchsintensiv verwesenden Resten kleiner Meereslebewesen und verrottendem Seegras zum Dorf. Wir haben Hunger und Durst. Ah, es gibt hier eine Hütte die Snacks verkauft! Wir schauen uns an was es gibt, da begrüßt uns der Besitzer: „Ja hallo. Wollen Sie ein leggeres Fischbrötchen? Wir haben hier frische Goldlocke im Angebot!“. Äääh, nein danke. Unglaublich. Selbst im verlassenen Fischerdörfchen wollen sie uns den Bauchlappen aus Indonesien andrehen. Nichts wie weg hier.

Am Rückweg nach Thiessow bleiben wir bei einem Wäldchen zwischen Juliusruh und Glowe stehen und gehen dort spazieren. Finden aber statt Wald einen riesigen, verlassenen, wunderschönen Strand. Herrlich. Der Regen hat aufgehört. Momo kann im Sand graben, Sabine jagt Quallen im Meer und ich strawanze durch die Gräser und kleinen Planzen die zwischen Strand und Waldrand wachsen. Schön ist es hier.

Am letzten Tag ist uns das Glück hold und es scheint die Sonne (trotz angesagtem Gewitter). Sabine ruht sich im Strandkorb sitzend aus, Momo und ich spielen im Sand. Momo will schwimmen gehen. Na schaun wir mal. Brrrrr. Der große Zeh friert mir beim Temperaturtest mit dem Fuß ein. Lieber am warmen Sand bleiben. Währenddessen hören wir unsere offensichtlich ostdeutschen Strandkorbnachbarn miteinander sprechen.
A: „Dös Wossr hat ongenähme 16 Grood, wior höm vörhin jemessen.“
B: „Och subbr. Dos is doch örfrischnd. Donn gähn wior gleisch schwimm‘ wa?“
A: „Jo, isch zieh mior nür nöch mene Boodehöse on“

Ja sind denn hier alle wahnsinnig auf Rügen? Wir packen uns langsam wieder zusammen, es beginnt nämlich wieder zu regnen. Rügen scheint uns nicht zu mögen.

Drum freuen wir uns schon, wenn’s morgen nach Hamburg geht. Mal sehen woher dort die Fischbrötchen sind 🙂

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