Rügen Teil 1: Herr Freese und das WLAN

von Jacob

Gestern Gazellen, Löwen und Elefanten im Serengeti-Park und heute Möwen, Fische und Quallen auf Rügen. Ein kleiner Kulturschock. Die Autofahrt vom Park nach Thiessow, dem südöstlichsten Winkel der deutschen Ostseeinsel Rügen haben wir wie die anderen zuvor recht zügig hinter uns gebracht. Wir haben für die paar Tage eine Ferienwohnung gebucht. Der Vermieter meinte wir sollen uns nach Überquerung der großen Rügenbrücke nach Stralsund bei einem Herrn Freese melden. Das machen wir um ca 16.30 Uhr. Ein kleiner, weißhaariger ca. 150 Jahre alter Herr empfängt uns in Pyjamahose. Es ist Herr Freese.

„Hier ist die Wohnung, da ist das Bad. Ich habe das Bett nicht überzogen, ich wusste nicht wo Sie schlafen wollen“. Norddeutscher Humor? Demenz? „Wenn Sie was brauchen, ich wohn ein paar Häuser weiter, 2 Minuten mit dem Auto von hier. Kommen ’se einfach vorbei.“ Passt uns gut, wir richten uns mal ein. Hey, hier gibts WLAN…wo steht das Passwort? Vielleicht im Willkommensbrief? Nein. Vielleicht klebt wo ein Zettel? Nein. Na dann frag ich mal Herrn Freese. Ins Auto gesetzt und zu seinem Haus gefahren.
Klopf – klopf. „Moment, bidde!“…warten, warten, warten.

– „Hallo Herr Freese, entschuldigen Sie die Störung. Wissen Sie das WLAN Passwort?“
– „Das Wasser ist warm.“
– „Wie bitte?“
– „Das Wasser ist warm“
– „Das ist ja super. Wissen Sie das WLAN Passwort?“
– „Jaja, das ist das Passwort. Das Wasser ist warm.“

Alles klar, zurück im Apartment. Das Passwort funktioniert nicht. Zurück zu Herrn Freese. Klopf – klopf. „Moment, bidde!“…warten, warten, warten.

– „Hallo Herr Freese, entschuldigen Sie die Störung. Das WLAN Passwort scheint nicht zu funktionieren. Das Wasser ist warm. Stimmt das so?“
– „Jaaa jaaa, das stimmt so. Hier ich schreibe es Ihnen auf. Moment, bidde.“

Herr Freese verschwindet wieder im Haus…warten, warten, warten. „So, biddeschöön.“ Danke und wieder in die Wohnung. Passwort funktioniert nicht. Jetzt rufe ich ihn an. Ring – ring…warten, warten, warten.

– „Hallo Herr Freese, entschuldigen Sie die Störung. Das WLAN Passwort scheint noch immer nicht zu funktionieren.“
– „Oh. Na das ist ja blöd. Dann fragen Sie ma‘ den Hausmeister Herrn Bathke, der wohnt auf Eins. Der kennt sich aus.“

Ich geh zur Türe Eins.  Klopf – klopf…warten, warten, warten. Nix passiert. Ein Nachbar schaut zufällig raus. Er weist mich drauf hin, dass der Hausmeister vor zwei Jahren ausgezogen sei und nicht mehr hier wohnt. Aber er gibt mir netterweise seine Telefonnummer.

Es erhärtet sich der Verdacht, dass Herr Freese tatsächlich nicht mehr sonderlich auf Zack ist.

Ich rufe also Herrn Bathke an. Ring – ring…er hebt sofort ab. Das ist erfreulich.

– „Hallo Herr Bathke, entschuldigen Sie die Störung. Herr Freese schickt mich zu Ihnen. Das WLAN Passwort scheint nicht zu funktionieren.“
– „Welches hamse denn?“
– „Das Wasser ist warm.“
– „Wie bitte?“
– „Das Wasser ist warm“
– „Das ist ja super. Aber welches WLAN Passwort haben Sie?“
– „Das ist das Passwort. Das Wasser ist warm.“
– „Ne, das ist vielleicht ein Wunsch, das Wasser hat 16 Grad. Aber WLAN Passwort ist das keines. Dafür bin ich auch nicht zuständig. Das macht alles Herr Freese.“

Verdammt. Also zurück zum Start.

Ring – ring…warten, warten, warten.

– „Hallo Herr Freese, ich bin’s wieder. Herr Bathke kennt das Passwort nicht. Er meint das wüssten nur Sie.“
– „Oh. Ich weiß das? Na das ist ja blöd. Dann ruf ich mal den Wohnungseigentümer an. Ich melde mich in zehn Minuten wieder.“

Zwei Stunden später bekomme ich den Anruf.
– „So, also das Passwort lautet ‚Haa‘, ‚tsee‘ ‚Ssss‘ Pppp‘ „.
– „Moment bitte, Großes H wie Heinrich?“
– “ ‚Aaaa‘ ‚Eins‘,…“

Herr Freese haucht wieder etwas ins Telefon. Das Buchstabieren des Passwortes hat in etwa 5 Minuten in Anspruch genommen.

Danke, alles klar. Ich lege auf und gebe es ein. Das Passwort funktioniert nicht.
Herr Freese…Herr Freese, Herr Freese, Herr Freese. Unheimlich lieb und bemüht, aber….Herr Freese.
Ring – ring…warten, warten, warten.

– „Hallo Herr Freese, Sie erraten wer dran ist?“
– „Bidde?“
– „Hallo Herr Freese. Jenauth hier. Das WLAN Passwort funktioniert nicht.“
– „Oh. Na das ist ja blöd. Na dann rufen Sie am besten den Wohnungseigentümer an. Ich gebe Ihnen die Nummer.“

Ich rufe ihn an. Ring – ring.

– „Hallo, entschuldigen Sie die Störung. Jenauth hier. Ich rufe an wegen dem WLAN Passwort.“
– „Das Wasser ist warm.“

Verzweiflung macht sich bei mir breit.

– „Dass das Wasser warm ist, meinte Herr Freese auch, Herr Bathke sagt, es hat 16 Grad. Aber das funktioniert alles nicht. Herr Freese meinte Passwort wäre etwas mit ‚Hcspa1‘.“
– „Ach. Nee, nee, nee, nee. Das hab ich ihm doch ganz genau buchstabiert. Das Passwort lautet ‚A‘, ‚z‘, ‚f‘, ‚t‘,…“

Ich bedanke mich, lege auf, probiere das Passwort und…ES FUNKTIONIERT!
Herr Freese…Herr Freese, Herr Freese, Herr Freese. Unheimlich lieb und bemüht, aber ich frage mich wie man Buchstaben so falsch notieren kann. Egal, ganz egal. Es funktioniert jetzt endlich alles.

„Jaaaaacob!“ ruft Sabine aus dem Nebenzimmer, „Wie lautet denn der Code für die Waschmaschine unten im Waschkeller? Ruf mal bitte Herrn Freese an!“
😱😱😱😱😱😱😱

Rügen2

 


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