Zugreisen…die schönste Art zu reisen

von Jacob

Mit dem Autozug von Wien nach Düsseldorf. Im Familienabteil über Nacht mit Frühstück. Klingt gut, klingt teuer, klingt entspannt. Stimmt – stimmt – stimmt nicht mit Kleinkind.

Erste Frage: Wo ist überhaupt das neue Autozug Terminal am Wiener Hauptbahnhof? Jedenfalls nicht so schwer zu finden wie wir vermutet hatten. Passt gut, viele Motorräder vor uns, ein paar Autos und nur eine Stunde zu früh. Wir lesen die Anweisungen für Autofahrer. Antenne runterschrauben (haben wir letztendlich vergessen), Zettel mit Bestimmungsort sichtbar unter die Windschutzscheibe legen (wurde vergessen uns zu geben) und Alarmanlage des Autos abstellen. Ja wo verdammt ist das jetzt wieder? Google rät uns zwei mal den Sperrknopf am Schlüssel zu drücken. Funktioniert nicht. Ein netter ÖBB Mitarbeiter weist uns darauf hin, dass im schlimmsten Fall einfach die Batterie leer ist in Düsseldorf. Mhm. Nagut. Hoffen wir das Beste.

Wir beziehen um 20:30 das Abteil. Es ist ein normales 6-er Liegewagenabteil, gut eingebettet zwischen Nachbarabteilen mit betrunkenen Motorradfahrern und Linzern, die gleich zu Beginn den Schaffner fragen wo man hier Vodka kaufen kann. Das verspricht interessant zu werden. Die Wände sind dünn wie Papier. Unsere Motorrad-Zimmernacharn sind Militärkrankenpfleger aus Remagen und Produktionsmitarbeiter einer Druckerei in Südengland. Gut zu wissen falls wir uns mal in Remagen einen Arm brechen sollten oder OneTwoFreeFamily Broschüren drucken möchten.

Nach zehnminütigem Kampf mit den Bettlaken haben wir uns schlafengeh-fertig gemacht. Die Liegen sind einen gefühlten halben Meter breit. Die ersten Fragen kommen auf wie Momo hier schlafen soll ohne aus dem Bett zu fallen. Klare Sache: Mama schläft bei ihm. Papa zieht die „Ich muss morgen Autofahren“-Karte und liegt solo.

Die nun folgende Nacht war nur für Momo halbwegs erholsam. Sabine hat auf dem 10cm breiten Bettstreifen, den Momo ihr gelassen hat, kein Auge zugemacht, Jacob hat neben weiteren englisch geführten Diskussionen über Bierspezialitäten, Krankenhaus- und Bikerstories (die sich oft überschnitten haben) ebenfalls Schwierigkeiten gehabt Schlaf zu finden. Hatte es doch geklappt wurden wir von den schnarchenden Männern oder feiernden Linzern wieder daran erinnert, dass wir nicht erste Klasse gebucht haben.

Hurra, die Nacht war überstanden, das Frühstück (Tee/Kaffee, zwei Semmeln mit Butter und Ribiselmarmelade) waren schnell gegessen. Eine Nacht damals mit frischgeborenem Momo, der 8 Milchflascherl in 8 Stunden verlangt hat, wäre ähnlich erholsam gewesen. Egal. Rücken strecken, versuchen niemandem auf die Zehen zu steigen, aufs Klo gehen und Zähne putzen. Verdammt. Der gesamte Zug war schneller. Das Klo stinkt bereits und alles ist überschwemmt. Wir entscheiden uns dazu durchzuhalten, erst unser Auto zu schnappen und uns an der nächsten Raststation frisch zu machen. Bis dahin einfach Luft anhalten und nicht reden. Momo gefällt das und haucht uns immer wieder mit Genuss seinen stinkenden Atem ins Gesicht. Süßes Kind.

Kurz vor 9 Uhr waren wir dann endlich in Düsseldorf. Alle gesund und munt…naja zumindest wach. Aussteigen, rauf zum blitzblauen Skoda und kurz Daumen drücken….das Auto hat noch Batterie! Herrlich. Hat doch alles gut geklappt! Was regen wir uns überhaupt auf.

Wir freuen uns schon auf die Rückfahrt in ein paar Wochen 😀


3 Gedanken zu “Zugreisen…die schönste Art zu reisen

  1. Bin erst jetzt dazu gekommen euren ersten (und natürlich auch gleich den zweiten 😉 ) Blogeintrag zu lesen und musste grade wirklich herzhaft lachen.
    Kinder sind toll.. 😀

    Freue mich auf viele weitere Geschichten!

    Gefällt mir

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